„Keine Anschlusskommunikation unter dieser Nummer“

Untersucht man Publikumsbeteiligung im Journalismus in den Zeiten von Social Media, muss man sich zwangsläufig mit der wohl verbreitetsten Partizipationspraktik der Zuschauer, Leser und Nutzer auseinandersetzen: dem Kommentieren auf Websites traditioneller journalistischer Medien und ihren Profilen in sozialen Netzwerken. Das machen auch wir: Gerade läuft etwa die Auswertung einer kleinen Analyse von Nutzerbeiträgen auf drei Beteiligungskanälen der Tagesschau, nämlich dem Kommentarbereich meta.tagesschau.de, dem Tagesschau-Blog und der Facebook-Seite der Tagesschau.

Zwei Probleme solcher Anschlusskommunikation an journalistische Medienangebote, die immer wieder von JournalistInnen wie NutzerInnen beklagt werden und zu denen es im vorletzten Blogpost bereits ein paar Hinweise gab, sind der (mutmaßlich) geringe Gehalt an Information und Nutzen sowie der hohe Gehalt an Beschimpfungen in Online-Kommentaren.

Das kennt offensichtlich auch Markus Beckedahl, Betreiber des netzpolitik-Blogs: Er schrieb am Montag, er habe keine Lust mehr, Zeit mit der Lektüre tausender, häufig gehaltloser bis beleidigender Kommentare zu verschwenden – und fragte sich selbst und seine LeserInnen, wie man anders mit dem hohen Aufkommen und der niedrigen Qualität der Beiträge umgehen könne. Interessant ist, dass auf diesen Post offensichtlich deutlich mehr gehaltvolle Kommentare folgten als üblich, denn Beckedahl bastelte daraus gleich einen weiteren Post, in dem er die Lösungsvorschläge seiner LeserInnen zusammenfasste.

Das Thema scheint nicht nur Beckedahl und seine User umzutreiben, denn andere Seiten zogen nach: Meedia fragte Community Manager bei Spiegel Online, sueddeutsche.de und Welt Online nach ihrer Meinung zu Beckedahls Hilferuf und sie antworteten, indem sie ihre Strategien im Umgang mit Kommentaren vorstellten. Auf Zeit Online stellte Kai Biermann ebenfalls eine Liste unterschiedlicher Herangehens- und Arbeitsweisen zusammen.

Das Problem ist übrigens nicht auf Deutschland beschränkt: Wie Jim Romenesko in seinem Blog zeigt, schmiss Jackie Kaczmarek, Chefredakteurin von HanfordSentinel.com, unschmeichelhafte Kommentare von der Website – und erntete dafür direkt wieder Kritik seitens der Nutzer, so dass sie sich gezwungen sah, die Löschpraxis recht aggressiv zu verteidigen. Ob das die Lage nun bessert, sei dahingestellt…

Gestern erschien dann noch ein Interview, das Ulrike Langer mit Beckedahl führte. Darin geht es allerdings nicht nur um Kommentare, sondern auch um andere Aspekte von Publikumsbeteiligung im Journalismus – und um die Frage, ob Transparenz sich als neue Journalismuslogik gegen das traditionelle Ideal der Objektivität durchsetzen wird – eine Frage, mit der sich Reimer/Meier auch beschäftigt haben, wie etwa hier auf den Seiten 11 bis 15 nachzulesen ist.

Nun ja, bei der ganzen Diskussion muss aber wohl auch gesagt werden, dass die Probleme des jpub-Blogs mit zu vielen Kommentaren sich gerade noch so in Grenzen halten… Oder mit den Worten Halavais (2005): „a large number of bloggers might be classified as ‚mumbler‘ … who seem to post weblogs to a void, without obvious comments or reader“ (zit. n. Brake 2009: 50)

[jr]

3 Comments to “„Keine Anschlusskommunikation unter dieser Nummer“”

  1. „Gestern erschien dann noch ein Interview, dass Ulrike Langer mit Beckedahl führte. Darin geht es allerdings nicht nur um Kommentare, sondern….“ sollten Journalisten nicht wenigstens das und dass auseinanderhalten können?????

  2. uebermaessige motzerei passiert nur auf seiten, die anonymes posten zulassen. die soziale kontrolle im netzwerk funktioniert meiner meinung nach sehr gut, um unnuetz negatives rauszufiltern.
    allerdings haben profilgebundene seiten das problem, dass alles immer super ist (s. facebook).

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