Social-Media-Verweise auf publizistische Medien

Jens Schröder, der als Popkulturjunkie und für das „Hyperland“ des ZDF bloggt, hat gestern eine interessante Liste veröffentlicht: Die 100 deutschsprachigen publizistischen Beiträge aus dem Internet, die auf sozialen Medien im Jahr 2011 die größte Resonanz erfahren haben, gemessen als Summe der Empfehlungen bei Facebook, Google+ und Twitter. Im Hyperland-Beitrag schlüsselt er auch auf, welche Themen dieser Maßzahl zufolge 2011 besonders „gut gingen“ – die Guttenberg-Affäre, Viren-Warnungen zu Facebook sowie die Schließung des Portals kino.to waren gleich mehrfach unter den Top 100 vertreten.

Mit Unterstützung unseres studentischen Mitarbeiters Niklas Weith (der an seinem ersten Arbeitstag gleich mal mit ad-hoc-Empirie konfrontiert wurde) haben wir die Liste der 100 Beiträge selbst noch einmal aufbereitet und zusätzlich verdichtet.

Vertrautes Aufmerksamkeitsmuster

Die Verteilung der Summe an Verweisen zeigt ein vertrautes Bild: Die populärsten Beiträge haben einen gewissen Abstand untereinander, während etwa ab Rangplatz 20 die Unterschiede deutlich geringer werden. Das Resultat ist die oben gezeigte Kurve, die bereits einen „long tail“ aufweist – obwohl es sich dabei natürlich um überproportional aufmerksamkeitsstarke Beiträge handelt, wenn man die Gesamtheit aller publizistischen Beiträge auf ihre Verlinkungen etc. untersucht.

bild.de und Spiegel Online dominieren

Beim Blick auf die Anzahl der verschiedenen Beiträge, die aus einem publizistischen Angebot stammen, fällt sofort die Sonderstellung von bild.de und Spiegel online auf – beide zusammen vereinen 45 Beiträge, also fast die Hälfte der Top 100 auf sich. Auf Platz 3 folgt der „Postillion“, ein satirisches Online-Magazin, dass es in diesem Ranking vor etablierte Leitmedien wie die FAZ, die Welt oder die ZEIT geschafft hat.

Ein letzter Schritt bestand darin, für jedes Angebot zu vermerken, ob es sich um ein publizistisches Angebot handelt, das auch offline (in Print, TV oder Radio) vertreten ist, oder um ein reines Online-Angebot. Das Ergebnis: 79 der 100 Artikel stammen aus „etabliert-publizistischen Angeboten“, 19 aus den rein online publizierenden Angeboten. Zudem gab es einen Beitrag – von Richard Gutjahr – aus einem persönlichen Blog, und einen – vom Bundeskriminalamt – von einer Organisations-Homepage. Eine tiefergehende bzw. detaillierte Analyse wäre sicher denkbar, z.B. eine weitere Differenzierung der publizistischen Angebote oder aber eine Analyse der Themen, die es in die Top 100 geschafft haben, aber wir können nicht versprechen, dass wir es zeitlich auch hinkriegen…
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4 Comments to “Social-Media-Verweise auf publizistische Medien”

  1. @Nele: ah, sehr schön – das ist ein interessanter kontrast!

    @Till: Spannend, wir sollten uns bei der Jahrestagung mal treffen :-) Sobald der Vortrag bzw. Deine Ergebnisse öffentlich/zitabel/verfügbar sind, können wir ja auch hier noch einmal drauf eingehen?

  2. Ich habe eine ähnliche Auswertung – allerdings „nur“ für einen Monat, dafür aber mit Verlaufskurven auf Stundenbasis und auch für internationale Medien – für twitter,facebook und google+ gemacht, die auch auf der Jahrestagung der dgpuk vorgestellt werden wird.

  3. Passt gut ins Bild: Das Ranking der meistzitierten Medien führt Bild und Spiegel auf den ersten Plätzen … und die Verlaufskurve kommt einem auch bekannt vor ;-) http://www.dwdl.de/nachrichten/34280/zitateranking_spiegel_vorne_bbc_vor_ard__zdf/

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