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November 5th, 2014

Fallstudienbericht Nr. 3 zur SZ erschienen

Der zusammenfassende Bericht zur dritten von insgesamt vier Fallstudien, die wir im Projekt durchgeführt haben, ist nun als Arbeitspapier des Hans-Bredow-Instituts erschienen:

Heise, N.; Reimer, J.; Loosen, W.; Schmidt, J.-H.; Heller, C.; Quader, A. (2014): Publikumsinklusion bei der Süddeutschen Zeitung. Zusammenfassender Fallstudienbericht aus dem DFG-Projekt „Die (Wieder-)Entdeckung des Publikums“. Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut, Oktober 2014 (Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Instituts Nr. 31).

[Update 10.11.2014: In der ersten Fassung des Arbeitspapiers waren in den Tabellen des Kapitels 8.2. die Items nicht durchnummeriert; dies ist nun korrigiert.]

[Update 15.1.2014: Wir haben ausgewählte Befunde den Redaktionen der SZ und sueddeutsche.de vorgestellt; die Präsentation ist unten in diesem Beitrag eingebettet.]

Wie bereits in den vorhergegangenen Berichten zur Tagesschau sowie zum wöchentlichen Polittalk gehen wir darin ausführlich auf die zahlreichen Befunde zur Publikumsbeteiligung ein, die unsere verschiedenen Methoden erbracht haben. Eine durchaus einschneidende Veränderung – das Abschaffen der Kommentarmöglichkeit bei Artikeln auf sueddeutsche.de zugunsten einer auf Themen fokussierten Diskussion – haben wir nicht mehr berücksichtigen können. Dennoch glauben wir, dass das Arbeitspapier viele interessante und aufschlussreiche Einblicke gibt, wie eine überregionale Tageszeitung online wie offline Publikumsbeteiligung organisiert, wie dies Praktiken und Erwartungen der Journalist/innen  beeinflusst, und wie umgekehrt das Publikum der SZ und von sueddeutsche.de mit diesen Beteiligungsmöglichkeiten umgeht. Hier die Zusammenfassung des Berichts:

Der Bericht stellt Ergebnisse einer Fallstudie bei Süddeutsche Zeitung (SZ) und süddeutsche.de vor, die im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Rolle von Publikumsbeteiligung im professionellen, redaktionell organisierten Journalismus in Deutschland durchgeführt wurde. Auf Grundlage eines theoretisch-analytischen Modells, das Partizipation als Zusammenspiel von Inklusionsleistungen und Inklusionserwartungen auf Seiten des Journalismus und des Publikums versteht, werden Befunde aus qualitativen Interviews mit Redaktionsmitgliedern (n= 10) und Lesern bzw. Nutzern unterschiedlichen Aktivitätsgrads (n= 8) sowie aus standardisierten Befragungen der Journalisten (n= 139) sowie der Nutzer von süddeutsche.de (n= 525) vorgestellt.

Auf journalistischer Seite kann so nachgezeichnet werden, wie ein etabliertes und reichweitestarkes nachrichtenjournalistisches Format im Konvergenzbereich von Print und Online Publikumsbeteiligung organisiert und wie sich im Hinblick hierauf journalistische Einstellungen und Selbstbilder darstellen. Hierbei lassen sich sowohl Anzeichen von Konvergenz als auch Komplementarität beobachten: Einerseits erzeugen die vorrangig online relevanten Formen der Publikumsbeteiligung auch „Ausstrahlungseffekte“ in Printredaktion und -produkt. Andererseits folgen beide Angebote unterschiedlichen Ausrichtungen, die sich insbesondere aus nicht deckungsgleichen Publika sowie den jeweiligen Medienspezifka und Produktionsroutinen ergeben bzw. redaktionsseitig mit diesen begründet werden. Sie führen zu unterschiedlichen Zuständigkeiten für und Einstellungen gegenüber Publikumsbeteiligung. Auf Publikumsseite lässt sich außerdem rekonstruieren, in welchem Umfang partizipative Angebote wahrgenommen werden, wie sich das Publikumsbild der Nutzer gestaltet, welche Beteiligungsmotive vorherrschen sowie welche Erwartungen an die journalistischen Leistungen der Süddeutschen und an Formen der Publikumsbeteiligung bestehen.

Der Abgleich beider Seiten erlaubt es zudem, Aussagen über das Inklusionslevel und die Inklusionsdistanz zu treffen: Das Inklusionslevel ist durch eine „moderate“ Schieflage gekennzeichnet, da die von der SZ insbesondere online zugänglich gemachten und mit erheblichem redaktionellen Arbeitsaufwand begleiteten partizipativen Angebote tatsächlich auch von einem vergleichsweise großen Teil des Publikums in Anspruch genommen werden. Allerdings betreffen die meisten Beteiligungsformen eher sogenannte „Low-Involvement-Aktivitäten“, die mit niedrigem Aufwand verbunden sind. Die Inklusionsdistanz ist im Großen und Ganzen gering, da weitgehende Übereinstimmung im Hinblick auf die vom Publikum erwarteten und die redaktionsseitig angestrebten journalistischen Aufgaben besteht: Zu den beidseitig als am wichtigsten eingeschätzten Aufgaben gehören insbesondere die klassischen journalistischen Informations- und Vermittlungs- sowie Kritikleistungen. Gleichwohl tendieren die befragten Journalisten dazu, die Erwartungen ihres Publikums an partizipative Beteiligungsangebote z. T. deutlich zu überschätzen und sie auch sehr viel stärker als ihr Publikum selbst als unverzichtbaren (und strategisch erforderlichen) Bestandteil der Süddeutschen Zeitung und ihrer Online-Angebote zu betrachten.