Archive for Dezember, 2011

Dezember 31st, 2011

Frohe Tagungs-Kunde zum Jahresende

In den letzten Arbeitstagen des Jahres sind eine Reihe von erfreulichen Nachrichten eingegangen: Verschiedene Konferenzeinreichnungen von Mitgliedern des Projektteams für 2012 wurden akzeptiert.

  • Für die „General Online Research 2012„, die im März 2012 in Mannheim stattfindet, wurde der Vortrag „Social Media Guidelines in Journalism“ von Julius Reimer, Wiebke Loosen und Jan-Hinrik Schmidt akzeptiert.

Social media are increasingly relevant for journalism and strongly affect newsroom workflows and professional routines. One element of these institutional changes are social media guidelines, which advise or even regulate journalists’ social media activities in professional as well as personal contexts. As manifest expressions, they are relevant sources for the study of journalistic self-reflection and self-obligations and shed light on the extension of journalism to new communication spaces and new practices. The paper discusses findings from an on-going explorative content analysis of German, British and US-American social media guidelines issued by different media organisations (broadcasters, print and online newsrooms, and news agencies) (until now: n= 13). Further results will be produced during the next weeks, including a comparison between the German and the Anglo-American guidelines.

The guidelines cover different areas of journalistic activities within social media, discussing opportunities as well as risks. So far, most of them can be regarded as advice rather than as regulations. More than half are for internal use only. While (nearly) all address Twitter, Facebook and weblogs, other networking web sites, wikis, or video platforms are mentioned only in single guidelines. Obviously, regardless of their prominence, some applications are perceived as more relevant for journalistic purposes than others. All of the guidelines analysed offer advice for entering into a dialogue with the audience. Less address readers, viewers or users creating content. Since some guidelines allow journalists to research using a private social media account and others do not, it can be stated that there is no profession-wide standard concerning the difference between professional and personal use, yet. Despite all discrepancies, there is a strong similarity: In all guidelines, special emphasis is put on the relevance and validity of professional journalistic standards and routines within an online driven environment. The study presented here is the first to systematically analyse social media guidelines and to do this from a comparative perspective. By this, it offers further insight into how traditional media organisations manage their extension to the social web.

  • Für die Jahrestagung der DGPuK, die im Mai 2012 in Berlin abgehalten wird,  wurde der Beitrag „Die grenzenlose Redaktion. Verortung sekundärer Leistungsrollen im Journalismus aus systemtheoretischer und Netzwerk-Perspektive“ von Julius Reimer akzeptiert. Der Beitrag versteht Rezipienten, die sich an der Erstellung journalistischer Inhalte und anderen redaktionellen Prozessen beteiligen, als sekundäre Leistungsrollenträger. Die Probleme der Übertragung dieses theoretischen Konzepts auf den Journalismus sollen überwunden werden, indem die sekundäre Leistungsrolle als „fließender Übergang“ verstanden wird von der „passiven“ Publikums- zur primären Leistungsrolle (Journalist). Dieser „Übergang“ wird dabei auf zwei Dimensionen vollzogen: zum einen der der vom Rollenträger erbrachten journalistischen Inklusionsleitungen (z. B. Rezeption, Selektion, Darstellung und Ordnung von Themen und Fakten) und zum anderen der der Anzahl, Qualität, Häufigkeit, Dauer und Regelmäßigkeit der Beziehungen und Kontakte des Rollenträgers zu anderen Publikums- oder Leistungsrollenträgern im journalistischen Netzwerk.
  • Ebenfalls für die Jahrestagung der DGPuK im Mai 2012 akzeptiert wurde der Beitrag „Die ‚blauen Seiten‘ als Beförderer raum- und identitätsbezogener Demarginalisierung – eine explorative Analyse des Online-Portals GayRomeo“ von Nele Heise. Der Vortrag widmet sich einem Forschungsprojekt, das Nele im Rahmen ihres Masterstudiums an der Universität Erfurt durchgeführt hat. Gegenstand der Arbeit war das Online-Portal GayRomeo, eine der weltweit größten Internetseiten für homosexuelle User. Vor dem Hintergrund feministischer Netznutzungs-Theorien wurde dabei herausgearbeitet, inwiefern die Nutzung der Website zu einer potenziellen Demarginalisierung beitragen kann. Der Schwerpunkt des Vortrags soll auf dem Aspekt einer räumlichen Demarginalisierung schwuler Internetuser liegen. Eine Grundannahme diesbezüglich lautet, dass Sex-bezogene Kommunikation im Netz nicht nur von realweltlicher Diskriminierung  entlastet, sondern durch die erweiterte kommunikative Reichweite auch neue Möglichkeiten der sozialen Vernetzung bietet. Große Bedeutung hat dieser Aspekt für Homosexuelle ohne räumliche Anbindung an die schwule Szene, z.B. in ländlichen Gebieten, und zwar v.a. hinsichtlich der Reduzierung sozialer Isolation und des Informationsaustausches. Vor diesem Hintergrund stellte die Studie folgende Forschungsfragen: Was sind die zentralen Nutzungsmotive der GR-User? Unterscheiden sich Nutzer aus ländlichen Gegenden von jenen aus einer Stadt hinsichtlich ihrer Selbstdarstellung? Und: Gibt es Indikatoren für eine Demarginalisierung Homosexueller auf individueller, aber auch gemeinschaftlicher Ebene? Während der erste Teil der Studie auf eine systematische Darstellung des Web-Angebotes zielte, bildete eine standardisierte, komparative Inhaltsanalyse der Profile von Nutzern aus Erfurt und aus ländlichen Regionen Thüringens den zweiten Teil des Projektes. Im Vortrag wird Nele ausgewählte Erkenntnisse aus ihrer Erhebung vorstellen und diese in Bezug zum Tagungsthema „MediaPolis“ setzen.
  • Und bei der gemeinsamen Jahrestagung der Fachgruppen computervermittelte Kommunikation und Medienethik im Februar in München wird Nele Heise einen Vortrag zum Thema „Richtigkeit, Wahrheit, Wahrhaftigkeit: Authentizität als kommunikationsethische Voraussetzung onlinebasierter Forschung“ halten, der direkt an Erkenntnisse aus ihrer Masterarbeit anschließt. Die Grundprämisse des Vortrags ist, dass Sozialforschung als spezifische Interaktionsform kommunikationsgebunden ist und deshalb als Herstellung kommunikativer Beziehungen gedacht werden muss. Einerseits unterliegen diese Interaktionen bestimmten medialen Bedingungen, insbesondere bei onlinebasiertem Forschen. Andererseits ist v.a. die Interaktion zwischen Forscher und Beforschtem mit bestimmten Rollenerwartungen und normativen Ansprüchen verbunden, die sich u.a. in forschungsethischen Standards niederschlagen. Vor diesem Hintergrund schlägt Nele eine Lesart vor, der zufolge onlinebasierte Forschung als spezifische Form computervermittelter Kommunikation verstanden werden kann, die ebenso wie „gewöhnliches“ Nutzerhandeln an verschiedene technische, aber auch soziale und normative Rahmen (Mediennutzungsregeln, forschungs- und kommunikationsethische Ansprüche) gebunden ist. Spezifisch ist diese Kommunikation insofern, als Interaktionen, die von Sozialforschern im Online-Kontext initiiert werden, nicht nur allgemeinen forschungsethischen/-technischen sowie methodischen Standards folgen müssen (Rolle des Wissenschaftlers), sondern auch den „Spielregeln“ des Netzes bzw. einzelner Anwendungen (Rolle des Nutzers). Damit kann onlinebasierte Forschung nicht nur anhand forschungsethischer Standards, sondern auch entlang genereller kommunikationsethischer Prinzipien der Online-Kommunikation bewertet werden. D. h. aber auch, dass ethische Konflikte in der onlinebasierten Forschung möglicherweise auch auf Brüche bzw. die Missachtung kommunikationsethischer Normen zurückzuführen sind. Im Rahmen des Vortrags werden zwei Konzepte zur Ethik der Online-Kommunikation vorgestellt und auf Praktiken onlinebasierter Forschung und deren ethische Legitimität übertragen. Dafür wird Nele die vorgestellten Prinzipien mittels der Ergebnisse ihrer Masterstudie veranschaulichen, in deren Rahmen sie 17 deutsche Internetforscher mittels leitfadengestützter Interviews zu ethischen Fragen ihrer alltäglichen Forschungspraxis befragt hat. Das Paper erreichte im Review-Verfahren Rang vier aller eingereichten Abstracts.

So, das war es. Wirklich ein schöner Jahresausklang, der uns neugierig auf kommende Taten macht. Wir wünschen allen Blog-Lesern einen guten Rutsch und einen entspannten, erfolgreichen Start im neuen Jahr. Und, wer weiß: vielleicht sieht man sich in Berlin, München oder Mannheim …

[js/jr/nh]

Dezember 22nd, 2011

Tagung „Journalismus und (sein) Publikum“

Noch bis zum 4. Januar kann man sich für die gemeinsame Tagung der DGPuK-Fachgruppen Journalistik/Journalismusforschung und Rezeptions- und Wirkungsforschung anmelden, die vom 2. bis 4. Februar 2012 in Hamburg stattfindet. Das Thema – „Journalismus und (sein) Publikum. Was Journalismusforschung und Rezeptions- und Wirkungsforschung voneinander lernen können“ – ist hochgradig einschlägig für unser Projekt, was nicht verwundert, da Wiebke Loosen maßgeblich an der inhaltlichen Konzeption der Tagung mitgewirkt hat….
Einblick ins Programm und die Online-Anmeldung sind auf der Tagungshomepage möglich. [JS]

Dezember 13th, 2011

The Incredible J-Wall – terms ending with „journalism“

Recently, we decided to create a mind-map in our office, where we collect and visualize the huge amount of terms ending with „journalism“ – we call it: „The Incredible J-Wall“. On this wall, we will collect all terms which describe the changing nature of journalism under the circumstances of Web 2.0, with its participatory features such as blogs, comments, user-driven rankings, and so forth.


We hope that a lot of terms will be added in the next two and a half years. To date, our list contains the following:

  • Citizen Journalism
  • Grassroots Journalism
  • Postjournalism
  • Process Journalism
  • Liquid Journalism
  • Neo-Journalism
  • Participatory Journalism
  • Network(ed) Journalism
  • Augmented Journalism (Manifesto for AJ)
  • Borderline Journalism
  • Inclusive Journalism
  • Computional Journalism
  • Algorithmic Journalism

If you have suggestions which „journalisms“ are missing, feel free to comment this post.

[nh]

Short update:
„The Incredible J-Wall“ exploded in the last weeks. Now, it looks like this:

Incredible J-Wall Part II

Update #3 (25/09/12):
Since the wall is growing and growing – thanks again to our committed commentators – we want to share the current state of this little creative experiment with our blog readers. Right now a student assistant is putting together a list of the journalisms, with definitions and references. So stay tuned till the next update. (by the way: Willem just added „Gonzo-Journalism“ *lol*). Due to technical problems, we’re linking to our Twitter account: http://t.co/i4hrYgTr