Das neue Jahr hat begonnen – ein Zeitpunkt, an dem wir gerne darauf zurückblicken, was im vorangegangenen Jahr bzw. in den letzten drei Monaten so alles passiert ist, hier in der Warburgstraße.
Im Oktober 2011 hat die Arbeit an unserem Projekt begonnen – für uns alle, aber insbesondere für Wiebke und Jan ein großer Moment, da beide lange auf den Projektstart hingearbeitet haben. Am Anfang ging es uns vor allem darum, Arbeitsroutinen zu entwickeln und herauszufinden, was jeder an Erwartungen, Zielen, Kompetenzen und Interessen in das Projekt mitbringt. Zu diesem Zweck haben wir einen sehr produktiven Projekt-Auftaktworkshop im Hamburger betahaus abgehalten. Dabei wurde bereits klar, dass wir mit unseren Fallstudien einen ganz schönen Batzen Arbeit vor uns haben.
daily routines
Um diese Arbeiten zu koordinieren und zu dokumentieren, haben wir verschiedene “Tools” entwickelt, die uns das Leben leichter machen (sollen): es gibt ein wöchentliches, protokolliertes Projektmeeting; einen tabellarischen Zeitplan, einen Wandkalender sowie eine Übersicht zu aktuellen Call for Papers, die uns zur Orientierung dienen und regelmäßig geupdated werden; eine wöchentliche Kalenderwochen-Info, in der Arbeitsschritte, neue Dokumente und verschiedene “Vorkommnisse” (z.B. Weihnachtswichteln) festgehalten werden. Zur Durchführung unserer Fallstudien nutzen wir, in Anlehnung an Yin (“Case Study Research”, 2003), Fallstudien-Protokolle, in der wichtige Schritte dokumentiert werden, sowie Fallstudien-Datenbanken, in der relevante Dokumente, z.B. unser Mail-Verkehr mit den Kooperationspartnern (digital und analog), und Ideen und Beobachtungen in Form von Case Study Notes abgespeichert werden. Eine beständig wachsende Citavi-Datenbank darf dabei freilich auch nicht fehlen.
Für die externe Kommunikation und den Transfer unserer Ergebnisse nach außen haben wir uns für die Einrichtung dieses Blog und eines Twitter-Accounts entschieden. Auch mit der Frage im Hinterkopf: Wie arbeitet eigentlich ein Forschungsinstitut im 21. Jahrhundert? Für uns jedenfalls sind beide Dinge hilfreiche Mittel, um aktuelle Belange festzuhalten, auf Call for Papers hinzuweisen oder uns mit anderen Projekten zu vernetzen (s. Links) – und außerdem kann ein bisschen Transparenz nicht verkehrt sein …
Und noch ein kleines Gimmick haben wir uns zugelegt: Zur Sammlung von Begriffen, die den Wandel des Journalismus unter den Vorzeichen des Internet beschreiben, und zu unserem ganz privaten Vergnügen haben wir die “Incredible J-Wall” ins Leben gerufen. Mithilfe unserer fleißigen Blog- und Facebook-Kommentaroren und den Geschenkpapierresten des Weihnachtswichtelns sind wird nun schon bei 27 Begriffen bzw. “bubbles” – vielen Dank und weiter so!
highlights
Zu den Highlights des letzten Jahres gehört neben dem guten Projektstart sicher die Annahme aller unserer eingereichten Beiträge zu den Tagungen der DGPuK (Jahrestagung 2012 + FG-Tagung Medienethik/CvK) sowie zur GOR12. Außerdem findet vom 02. bis 04. Februar die gemeinsame Tagung der DGPuK-Fachgruppen Journalistik/ Journalismusforschung und Rezeptions- und Wirkungsforschung hier in Hamburg statt. Beim Thema “Journalismus und (sein) Publikum” sind wir natürlich ganz besonders gespannt auf die Vorträge …
Neben den Tagungen, die wir in diesem Jahr noch besuchen und mitgestalten werden, waren wir 2011 natürlich selbst auf der ein oder anderen Veranstaltung zu Gast. Julius etwa hat gemeinsam mit Max Ruppert in Stuttgart einen Vortrag zum GuttenPlag-Wiki auf der Herbsttagung der Sektion „Wissenschafts- und Technikforschung“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie gehalten.
Spannend, umstritten, leicht psychedelisch und sehr vielschichtig ging es schließlich Ende Oktober zu auf dem 1st Berlin Symposium on Internet & Society, Teil der Gründungsveranstaltung des Humboldt Institutes für Internet & Gesellschaft, zu dessen kooperierenden Partnern das Hans-Bredow-Institut zählt. Wiebke, Jan, Nele, Julius und ein großer Teil der Bredows durften diesem Event beiwohnen. Viel wurde geredet über die Zukunft des Netzes, über Governance, Regulierung, Politik, Freiheit, Kreativität und Innovationen in und um das Internet. Für uns von besonderem Interesse war dabei der Workshop “traditional roles in transition“, bei dem Chris Anderson seine Ideen zu Algorithmen und Journalismus präsentierte. Neles persönliche Highlights der Tagung und ein paar visuelle Eindrücke finden sich in ihrem Blog “forscher norden“. Das offizielle round-up der Tagung ist hier zu finden.
Eine weitere Tagung, die für uns sehr interessant war: “Zwischen Partizpationskultur und Selbstausbeutung. Medienmacher und Mediennutzer im Social Web” des Promotionskollegs ComDigMed an der Universität Erfurt. Jan hat hierzu bereits in seinem Blog einen Post veröffentlicht und dafür das nette Tool Storify ausprobiert, zu sehen hier. Und auch die Organisatoren der Tagung haben bereits eine umfangreiche Nachlese veröffentlicht, auf die wir gerne verweisen – zumal Jan die End-Note der Veranstaltung halten durfte. Spannend erschien uns neben der beeindruckenden Referentenliste die Mischung aus Impulsvorträgen – jeweils auf Wissenschafts- und Praxisperspektive – sowie kurzen Vorträgen zu work in progress oder kleineren Projekten. Diese Mixtur hat besonders im Schwerpunkt “Journalismus” sehr gut gegriffen, wobei insbesondere der Vortrag von Harald Baumer, seines Zeichens Leiter des Hauptstadtbüros der Nürnberger Nachrichten, interessante Innenansichten in Social Media-Praktiken von Journalisten lieferte. Er nutze Social Media zur Ideenfindung und “Marktforschung”, Liveberichterstattung, Recherche, Herstellen von Transparenz (Gesten des Zeigens, Dialog, Öffnung), als direkten und schnellen Rückkopplungskanal, als Dokumentation (“öffentliches Notizbuch”), als Markttest für bestimmte Themen/Stories, zur Kundenbindung und als Werbemittel. Für ihn haben Social Media dabei immer einen “human touch”, obwohl er sie als professionelles Arbeitsinstrument betrachtet. Dabei differenziert er die Anwendungen und ihre Funktionen, z.B. bietet sich Twitter zur Live-Berichterstattung an, Facebook aber eher zum Hochladen von Bilderstrecken. Das Ganze wurde von Baumer wohlreflektiert, sehr anschaulich und unterhaltsam präsentiert – ein sehr gelungener Vortrag in einer ganzen Reihe spannender Beiträge.
Apropos: Auf beiden Tagungen wurde uns bewusst wie Wissenschaft & wissenschaftlicher Diskurs heute aussehen kann. In Berlin z.B. war es das minute-taking via QR-Code oder das visual recording der Workshop-Inhalte, die uns – neben der Inneneinrichtung des Hotels – beeindruckt haben. Und natürlich fand auch wieder wissenschaftlicher Diskurs auf der “Meta-Ebene” statt. Nämlich in Form der hashtag-Öffentlichkeit (z.B. http://twitter.com/search?q=comdigmed), bei der die/der RednerIn es nicht nur schaffen muss, das Publikum direkt zu überzeugen – auch in der Twitter-Timeline zeigt sich schnell, ob das Gesagte Zuspruch findet. Besonders eindrückliche Passagen, aber auch kritisches Feedback werden sofort “nach außen” weitergeleitet – wer möchte kann dem Geschehen folgen, wo auch immer er sich gerade befindet. Ein weiteres Beispiel für eine noch recht neue Art der Publikumsinklusion bei einer Tagung ist die kollaborative Protokollführung mit synchroner Chat-Funktion, z.B. über etherpad oder Google Docs, die auch bei der Tagung in Erfurt (http://titanpad.com/ComDigMed11) und in den Workshops in Berlin regen Zuspruch fand. Alles in allem wollen auch wir vermehrt versuchen, digitale Vernetzungsmöglichkeiten zum kollaborativen Arbeiten zu nutzen, beispielsweise erarbeiten Julius und Nele derzeit gemeinsam einen Artikel via Google Docs.
So, das war unsere kleine Rückschau auf das erste Vierteljahr im Projekt. Wir freuen uns über jedwedes Feedback, Anmerkungen und Ideen für unser Projekt. In diesem Sinne: keep on blogging!
[nh]
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