Mai 15th, 2013

Publikumsbeteiligung im Journalismus zwischen Mainzelmännchen und Fernsehkameras

Vom 8. bis 10. Mai fand auf dem Lerchenberg in Mainz, in den Räumlichkeiten des ZDF, die 58. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) statt, auf der auch das 50. Jubiläum der Fachgesellschaft gefeiert wurde. Bei einem Konferenz-Motto wie “Von der Gutenberg-Galaxis zur Google-Galaxis” durfte das jpub-2.0-Team natürlich nicht fehlen: Unter dem (nach dem Prinzip der didaktischen Verunsicherung gewählten) Titel “‘Bitte schließen Sie den Kommentarbereich!’” stellten wir einen winzigen Teil der Ergebnisse unserer Fallstudie bei der Tagesschau vor:

“Bitte schließen Sie den Kommentarbereich!” Erwartungen und Erwartungserwartungen an Publikumsbeteiligung im Journalismus. from jpub 2.0

Dem Tagungsthema entsprechend beschäftigten sich die meisten Beiträge mit dem Wandel der medialen Bedingungen und seinen Folgen. Den Anfang machte W. Lance Bennett, Professor an der University of Washington, mit seiner Keynote „Changing media, changing societies: challenges for communication research“ (hier das Video der Keynote und eine kurze Zusammenfassung auf der Website der Uni Mainz).

Bennett thematisierte den Wechsel von modernen zu spät-modernen Gesellschaften: Sei der (übergreifende) Sinn von Dingen, Praktiken, Verhältnissen usw. in der Vergangenheit noch eher von Institutionen wie Staat, Kirche usw. festgelegt und kommuniziert bzw. gesellschaftsweit vorgegeben worden, so seien heute die Gesellschaftsmitglieder selbst dafür verantwortlich, sich gewissermaßen ihren eigenen Sinn zu konstruieren. Bei so gewandelten gesellschaftlichen Verhältnissen sei es nur logisch, dass auch die Medien und der Journalismus sich ändern. So verwies Bennett etwa auf eine Studie der OECD (2010), nach der die Zahl der ZeitungsjournalistInnen in Deutschland zwischen 1997 und 2007 um 25 Prozent gesunken ist.

Ebenso formten sich neue Muster der Mediennutzung: BürgerInnen unter 30 legen laut Bennett ein anderes Nachrichtenkonsum- und Informationsverhalten an den Tag als ihre Eltern und Großeltern. Zwar wollten viele – wohl v.a. JournalistInnen und andere Medienschaffende – glauben, dass die Jungen von allein mit zunehmendem Alter und in anderen Lebensumständen ihr Verhalten ändern werden, dass sie wieder (mehr) Zeitung lesen, Fernsehnachrichten schauen, in Magazinen blättern usw. Aber Bennett stellte unmissverständlich klar: „Sorry, that’s not going to happen.“

Stattdessen hätten die jungen MediennutzerInnen andere Informationsrepertoires entwickelt (vgl. zum Konzept der Informations- bzw. Medienrepertoires diesen Aufsatz von Uwe Hasebrink und Hannna Domeyer), suchten andere Informationen aus anderen Gründen und in anderen Quellen. Als Beispiel nannte Bennett den Lifestyle-Journalismus der Zeitschrift NEON, deren Herausgeber Timm Klotzek feststellte, dass junge LeserInnen durchaus an politischen Themen und Fragestellungen interessiert sind – nur eben nicht an Politik bzw. den klassischen politischen Institutionen und Ideologien und ihren Auseinandersetzungen sowie der Berichterstattung darüber. Zu den neuen Informationsangeboten zählt Bennett auch Websites und Netzwerke sozialer Bewegungen, die sich einem bestimmten sozial-politischen Bereich widmen: Auf ihnen suchten sich BürgerInnen direkt, d.h. unter Umgehung der traditionellen Massenmedien, Informationen zu den Themen, die sie selbst für relevant halten.

In diese Entwicklung passen laut Bennett auch Phänomene wie Crowdsourcing- oder Bürger-Journalismus. Überhaupt würden Begriffe wie “Information”, “Journalismus” und “Nachrichten” sowie die dahinterstehenden Praktiken immer weniger von ihren traditionellen Bereitstellern definiert und immer mehr von Seiten ihrer Rezipienten: als das, was sie in ihrem sozialen und alltäglichen Leben beeinflusst.

Wenn Bennetts Überlegungen zutreffen, so hat er damit den Rahmen eines übergreifenden Gesellschafts- und Medienwandels beschrieben, in den sich unsere Thesen und Fallstudien zum Zusammenhang von sich ändernden Praktiken und (Erwartungs-)Erwartungen der Inklusion im Journalismus ‘wie von selbst’ einfügen lassen.

Fest in KoWi-Hand: das ZDF-Gelände auf dem Lerchenberg in Mainz

Fest in KoWi-Hand: das ZDF-Gelände auf dem Lerchenberg in Mainz

Ein weiterer Beitrag, den wir mit besonderem Interesse verfolgten, war der von Brigitte Hofstetter, Rebecca Lineham, Stefan Bosshart und Philomen Schönhagen von der Universität Fribourg zu “Nutzerbeteiligung und journalistischem Handeln in Schweizer Redaktionen”: Hier wurde zunächst auf theoretischer Ebene Partizipation im Journalismus weiter differenziert in

  • reaktive, interaktive und expressive Beteiligung, die nur selten und indirekt Auswirkungen auf den redaktionellen Output hat, sowie
  • kollaborative Beteiligung, die partizipative Formate im engeren Sinne kennzeichnet und bei der Laien zusammen mit JournalistInnen an journalistischen Produkten arbeiten.

Anschließend stellten Hofstetter et al. ihre Fallstudien vor, bei denen sie in mehreren Schweizer Redaktionen untersuchten, wie sich Publikumsbeteiligung auf journalistische Arbeitsweisen und Routinen auswirkt. Eine Besorgnis erregende Erkenntnis lautete, dass junge JournalistInnen zunehmend auf den Aufbau persönlicher Informations- und Informantennetzwerke verzichten und sich bei der Recherche stattdessen weitgehend auf diejenigen Quellen verlassen, die sie “ad hoc” im (Social) Web auffinden. Ein positives Resultat war hingegen, dass aktive NutzerInnen v.a. im Lokalbereich die Berichterstattung inhaltlich erweitern.

Ein besonderes Augenmerk legten die Vortragenden (wie auch wir hier im jpub-Projekt) auf die Betreuung von Social Media-Profilen und anderen partizipativen Elementen der Redaktion. Dabei fanden sie heraus, dass die Kommentare einiger NutzerInnen von Prä-Moderation ausgenommen sind und ungeprüft veröffentlicht werden, wenn die JournalistInnen auf Grund vorheriger Kommentare darauf vertrauen, dass die/der NutzerIn nichts postet, das gegen die Diskussionsregeln verstößt. Dies passt auch zu einigen Einsichten, die wir in unseren Fallstudien gewonnen haben.

Ebenfalls ähnlich wie in unseren Untersuchungen, fanden Hofstetter et al. heraus, dass der Einfluss der Nutzerbeteiligung insbesondere auf die Themenwahl der Redaktion nicht nur von journalistischen Kriterien abhängig ist, sondern auch von strategischen Erwägungen: So würde etwa über ein Thema oder Ereignis berichtet, auch wenn dieses gar nicht (mehr) relevant oder aktuell ist – nur weil der Hinweis darauf aus dem Publikum kam. Die Überlegung dahinter: Die Redaktion will nicht riskieren, dass sie das Image eines “Fortschrittsverweigerer” erhält, indem sie sich (vermeintlich) gegen den Trend zur Publikumsbeteiligung wendet. Und natürlich will man die/der NutzerIn, von der/dem der Hinweis kam, nicht enttäuschen und als RezipientIn verlieren.

Die Präsentation veranlasste den im Publikum sitzenden Walter Hömberg dazu, darüber zu sinnieren, ob unter JournalistInnen früher eine ‘Feedback-Phobie’ herrschte, die sich inzwischen zu einer ‘Feedback-Manie’ verkehrt habe.

Im gleichen Panel folgte ein Vortrag von Annika Sehl und Michael Steinbrecher vom Institut für Journalistik der TU Dortmund zur “Partizipation im Wandel: Von Offenen Kanälen zum TV-Lernsender. Eine Befragung und Inhaltsanalyse zur Qualität angeleiteter Bürgerpartizipation im Fernsehen.” Vorgestellt wurden die Ergebnisse einer Befragung der BürgerInnen und StudentInnen, die Beiträge für den TV-Sender nrwision produzieren, der als zentraler “Lernsender” in NRW die über das ganze Land verstreuten Offenen Kanäle abgelöst hat. Das Konzept des Lernsenders beinhaltet dabei, dass die Hobby-ProduzentInnen von einer Programmredaktion Feedback zu ihren Beiträgen bekommen, um so ihre Kompetenzen weiterzuentwickeln. Auch  diese Feedback-Protokolle wurden einer Analyse unterzogen. Interessant war, dass – im Gegensatz zu den Erkenntnissen zu den Offenen Kanälen – das Geschlechterverhältnis unter den nrwision-Zulieferen ausgewogen war. Allerdings lag das an der stark weiblich geprägten Gruppe der Studierenden; die ‚echten’ Hobby-TV-Macher sind nach wie vor v.a. männlich.

Bezüglich der Bewertungen der eingereichten Beiträge ergaben sich Unterschiede zwischen dem Selbst- und Fremdbild der Zulieferer: Während sie selbst vornehmlich von der Qualität ihrer Arbeit überzeugt waren, empfand die Programmredaktion die Beiträge als weniger ausgereift. Die Analyse der Feedback-Protokolle ergab, dass positives Feedback am ehesten zum inhaltlichen Aufbau eines Beitrags gegeben wird. Allerdings enthielt auch über die Hälfte der Rückmeldungen Kritik an einigen Aspekten des Aufbaus. Besonders viel negatives Feedback zog die Tonqualität der Beiträge auf sich – ein Umstand, den wohl jede(r) nachvollziehen kann, die/der schon einmal einen Film-Beitrag produziert hat.

Den dritten Vortrag im Panel bestritt Christian Nuernbergk von der LMU München – . Unter dem Titel “Modus Kooperation? Die Orientierungsleistungen in der ‘Blogosphäre’ auf dem Prüfstand. Ergebnisse aus netzwerk- und inhaltsanalytischer Perspektive.” stellte er ausgewählte Ergebnisse seiner frisch erschienenen Dissertation vor, in der er untersuchte, ob und wie deutsche Weblogs die Berichterstattung zum G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm auf Spiegel Online (als Paradebeispiel für ein etabliertes journalistisches Angebot) und/oder Indymedia (als Repräsentant alternativer Medien) aufgreifen. Das Ergebnis waren drei Cluster: solche Blogs, die nur SpOn-Berichte kommentierten und verlinkten; solche, die nur Indymedia-Beiträge aufgriffen; und solche, die in ihren Posts die Berichterstattung beider Websites ansprachen. Die Verlinkung eines Berichts konnte dabei aber nicht ohne Weiteres als Zustimmung zu diesem gewertet werden: Ein Viertel der verlinkten Beiträge wurde im jeweiligen Blogpost kritisch kommentiert, nur ein Sechstel gelobt. Die Hälfte aller Links enthielt keine Bewertung des Originalbeitrags; in einem Fünftel der Blogposts fand sich allgemeine Kritik an den Medien. (Die Folien zum Vortrag gibt es hier. Außerdem hat Christian Nuernbergk einen Blogpost zu den Ergebnissen verfasst.)

Beäugten das wissenschaftliche Treiben kritisch: die Mainzelmännchen im Merchandise-Shop des ZDF

Beäugten das wissenschaftliche Treiben kritisch: die Mainzelmännchen im Merchandise-Shop des ZDF

In einem parallel laufenden Panel stellten außerdem Michael Harnischmacher und Klaus Arnold von der Universität Trier die Ergebnisse ihrer Studie zu unabhängigen lokalen Nachrichten-Websites vor. Mittels Inhaltsanalyse und Befragung untersuchten sie das Selbstverständnis, die Organisation und Finanzierung sowie die journalistische Professionalität und Qualität der so genannten “Hyperlocals”. Das überraschende Ergebnis: Die meisten Websites werden von ausgebildeten JournalistInnen selbstausbeuterisch, vornehmlich aus Idealismus und nach klassisch-professionellen Vorstellungen betrieben. Dabei ergänzen sie die lokale Berichterstattung um weitere Themen sowie um tiefe und hintergründige Geschichten.

Leider keine ausführlichen Notizen gemacht haben wir uns zum ersten Vortrag des Panels “Publikumsbeteiligung im Internet” am zweiten Konferenztag: Hier stellten Annika Sehl (TU Dortmund) und Theresa Naab (HMTM Hannover) anhand einer Meta-Analyse vor, wie sich kommunikationswissenschaftliche Studien zwischen 2004 und 2012 mit dem Thema User-generated Content auseinandergesetzt haben. Aber so viel sei gesagt: Die meisten Studien sind Inhaltsanalysen, besonderer Bedarf besteht noch an international vergleichenden Untersuchungen zu nutzergenerierten Inhalten, und die Methodentransparenz der bisherigen Beiträge zu diesem Thema ist mangelhaft: Vielfach fehlt bei Inhaltsanalysen die Angabe der Inter- bzw. Intracoder-Reliabilität, und auch die Dokumentation bzw. Wiederauffindbarkeit des untersuchten Materials wird selten thematisiert.

Der Grund für unsere mangelnde Dokumentation dieses wichtigen und spannenden Vortrags war übrigens, dass wir direkt im Anschluss präsentieren mussten und dementsprechend abgelenkt waren.

Den Abschluss des Panels lieferte Katja Mehlis von der Universität Erfurt, die unter dem Titel “Partizipative Nachrichtenangebote im Internet. Befunde zu Nutzung und Glaubwürdigkeit aus Publikumssicht.” die Ergebnisse eines Quasi-Experiments präsentierte, das auch Teil ihrer Dissertation ist: In einer Online-Befragung wurde insgesamt 544 TeilnehmerInnen jeweils ein Screenshot eines Artikels zu einem bestimmten Thema zugeteilt: entweder von einem partizipativen oder einem technischen oder einem professionellen journalistischen Angebots. Die Befragten wurden dann u.a. gebeten, die Glaubwürdigkeit der jeweiligen Website einzuschätzen. So wollte Mehlis herausfinden, ob Unterschiede in der Glaubwürdigkeit die Ursache sein könnten für die deutlich stärkere Nutzung professioneller journalistischer Web-Angebote im Vergleich zu den beiden anderen Typen in Deutschland. Im Anschluss wurde allerdings darauf verwiesen, dass NutzerInnen unterschiedlichen Angebotstypen vermutlich aus unterschiedlichen Gründen Glaubwürdigkeit zusprechen: professionell-journalistischen Websites etwa auf Grund traditioneller Kriterien wie einer objektiven, neutralen Berichterstattung; partizipativen Angeboten hingegen vielleicht eher für ihre Authentizität, mithin: die Subjektivität der dort zu findenden Beiträge. Glaubwürdigkeit würrde für das Publikum also bei professionellen Angeboten etwas anderes bedeuten als bei partizipativen.

Nicht direkt in das jpub-Themengebiet “Publikumsbeteiligung im Journalismus” passend, aber sehr interessant waren auch Benjamin Krämers und Julia Neubarths (LMU München) Überlegungen zur “Repräsentation sozialer Strukturen im Internet”. An dieser Stelle möchten wir nur mit einem Zitat Werbung für die Präsentation machen, die man sich hier anschauen kann: Basierend auf der Feststellung, dass die symbolische Repräsentation sozialer Strukturen im Internet mehr ist als eine bloße Darstellung (Abbildungsverhältnis) oder Reduktion (“nur”-Verhältnis) der Verhältnisse und Beziehungen im ‘realen Leben’ stellen Krämer und Neubarth fest: “[D]as Symbol (die Datenstruktur) ändern, heißt auch, die soziale Realität ändern”.

Über die kleine Auswahl hier hinaus gab es natürlich noch eine Fülle weiterer interessanter Vorträge zu den unterschiedlichen Themenfeldern der Kommunikations- und Medienwissenschaft. Einen Überblick erhält man durch die Kurzzusammenfassungen im Book of Abstracts. Wer weitere Infos zur Tagung und den anschließenden und parallel laufenden Diskursen haben möchte, dem sei dieses Storify von Christian Strippel empfohlen. Außerdem findet sich hier ein Mitschnitt der Podiumsdiskussion vom zweiten Konferenztag, bei der

über “Die Kommunikation und ihre Wissenschaft in zehn Jahren” debattierten.

[jr]

April 26th, 2013

Abschied & Neuanfang: Neues Mitglied im Projektteam

Nachdem wir uns Ende März von Mareike verabschieden mussten, die nun in der “echten” Welt als Social Media-Beraterin für ein Mode-Unternehmen arbeiten wird, freuen wir uns umso mehr, dass wir die offene Stelle so schnell – und kompetent – neu besetzen konnten.

Seit Mitte April 2013 wird das Projekt von Anne Quader unterstützt (Foto wird nachgereicht), die bereits viel Erfahrung bei der Mitarbeit in Forschungsprojekten mitbringt. Anne, die sich besonders mit verschiedenen Formen der Inhaltsanalyse beschäftigt hat, studiert aktuell im zweiten Semester den Master-Studiengang Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg. Zuvor hat sie in Salzgitter ihren B. A.-Abschluss in Medienmanagement gemacht. Neben dem Studium ist Anne auch beim Studenten-Fernsehen der Uni Hamburg aktiv und setzt sich für den Fachschaftsrat ein. Anne’s Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Journalismus- und Gender-Forschung und Medienwirtschaft.

Na denn: herzlich willkommen bei JPub20, Anne!

[nh]

April 16th, 2013

Future of Journalism 2013

The biennial “Future of Journalism”, hosted by the Cardiff School of Journalism, Media, and Cultural Studies, will be back in September 2013. We’re excited to be part of this year’s conference and their impressive list of speakers.Wiebke Loosen and Jan-Hinrik Schmidt will present the then-latest findings of our ongoing fieldwork; in September we will be able (fingers crossed) to compare and discuss data from three different case studies: The daily TV newscast “Tagesschau”, a weekly TV political talkshow, and a daily national newspaper. The abstract for our talk is below.

[js]

Both sides of the story: Assessing audience participation in journalism through the concepts of inclusion level and inclusion distance

Digital networked media provide various means and spaces for audience participation in journalism and force journalists and scholars alike to rethink the journalism-audience-relationship. However, due to the traditional scholarly division between the fields of journalism research and audience research, most studies are focused on either the  journalism side  or on the  audience side . With the concept of audience inclusion in journalism we introduce a heuristic model to connect findings on practices and expectations around audience participation from both research traditions. Inclusion practices are performed by journalists as well as by users of journalistic outlets; the amount and scope of these practices can be expressed as inclusion level. They are framed by guiding expectations about participation, which condense, for example, in journalistic self-images, or in assessments of other users  contributions among the audience. The (in-) congruence of expectations of journalists and audience members can be expressed as inclusion distance. Findings from an ongoing multi-method research project on three German newsrooms (TV newscast; political TV talk show; daily newspaper) demonstrate not only the operationalization of the conceptual model, but also give insight into inclusion distance and inclusion level at tree major German journalistic outlets. Preliminary results show an uneven inclusion level (participatory mechanisms are part of daily work routines, but used only by a minority of users) as well as small inclusion distance (indicating that among users the idea of core journalistic functions are still held highly). However, there is notable disagreement regarding (assumed) motivations for participation between journalists and audience members.

 

März 25th, 2013

Research Report Case Study One: the “Tagesschau”

After nearly one year of data generation (including 16 in-depth-interviews, two online surveys, three content analyses) and interpretation we are very proud to announce that the research report on our first case study is now available online (in German):

Wiebke Loosen / Jan-Hinrik Schmidt / Nele Heise / Julius Reimer / Mareike Scheler (2013): Publikumsinklusion bei der Tagesschau. Zusammenfassender Fallstudienbericht aus dem DFG-Projekt „Die (Wieder-)Entdeckung des Publikums“. Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Instituts Nr. 26. Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut, März 2013. Online: http://www.hans-bredow-institut.de/webfm_send/709.

The report presents and discusses the findings of our research at the most traditional German TV news cast, the “Tagesschau“. At first, we introduce our theoretical heuristic of audience inclusion which guided the several stages of our empirical work. The model differentiates between inclusion performances as well as inclusion expectations (of journalists / the medium under observation, and its users/recipients); everything else you need to know about the theoretical background of our project is presented in a journal article by Wiebke and Jan.

Secondly, we give an overview over the results of our research within the “Tagesschau” newsroom, as well as the outcomes of the qualitative and quantitative surveys among the “Tagesschau” audience. And finally, we discuss the implications of these findings with regard to: a) the inclusion level at the “Tagesschau” (i.e. the [a]symmetry of inclusion performances on both sides), and b) the inclusion distance (i.e. the [in]concruency of mutual expectations) between journalists and audience members of the newscast. Additionally, two separate technical reports which document the basic descriptive tables from the surveys on the tagesschau.de users and the editorial staff of the Tagesschau newsroom are online as well.

So, please feel free to share the good news and do not hesitate to get in contact with us if you have any questions, praise or critical remarks etc.

[nh]

 

März 12th, 2013

Notes on our “Corporate Eidentity”*

When our project started in October 2011, we decided to do it “Cyberscience 2.0″[1] style and we came up with the idea to create an account on Twitter (which can be found here, by the way). For one, we wanted to use Twitter as a tool of networking (with other researchers, journalists and media companies) as well as information and communication (e.g. tweeting information about new blog content, retweeting interesting “stuff” about developments on the field of our project topics or conference tweeting). Moreover, our Twitter account functions as a digital business card (e.g. on presentation slides or in research-reports), which is easy to find and which helps people to follow our activities online. And yes, it also helps us to gain attention for our project and its outcomes.[2]

But we all know that Social Media activities do not work very well on a anonymous, impersonal basis. Hence, we had to find a striking (or at least “creative”) icon or avatar to represent our project in the Twittersphere. After months and months, a colleague of ours, Florian Hohmann, created our very own jPub20 egg – our “eIcon” – a playful version of the Twitter default avatar, which became a very important piece of our “scientific corporate Eidentity”.

eIcon jPub20team eIcon jPub20team Easter Version

As you can see above: the “eIcon” not only symbolizes the vast amount of intelligence of our project team members (note the glasses!). It is also flexible with regard to festivities and holidays (Easter in this case) and it can be used in a variety of contexts, e.g. as a “group portrait” (as it has been used for a preview of our presentation at the annual conference of the DGPuK this year in Mainz). We are very proud of our “Eidentity” and suggest that every publicly funded research project should have one.

However: Although some weeks are still ahead, we wish happy easter holidays to all our readers! Have a pleasant time and: may the eggs be with you.

 [nh]

 

* Warning: This posting might contain traces of (self) irony (and nuts).

 

[1] Nentwich, M. & König, R. (2012): Cyberscience 2.0. Research in the Age of Digital Social Networks. Frankfurt/M.: Campus Verlag.
[2] Besides these practices of identity, information and relationship management (see: Schmidt, J (2007). Blogging Practices. An Analytical Framework. Journal of Computer-Mediated Communication, 12(4), article 13), we use the Twitter account also for scientific purposes, e.g. the observation of our case studies or for the feature analyses.
März 11th, 2013

Zwischen Publikumsbeteiligung und Transparenz: Experimente mit offenem Journalismus

Bereits im „New(s) stuff“-Post ist bei den Themen „Live-Blogging“ und „fact-checking“ angeklungen, dass Crowdsourcing und andere Publikumsbeteiligung im Journalismus ein gewisses Maß an Transparenz der redaktionellen Prozesse voraussetzen – allein schon, weil Nutzer wissen müssen, woran die Journalistinnen und Journalisten gerade arbeiten, um wissen zu können, wobei sie ihnen helfen können. Dieser Zusammenhang wird auch bei den folgenden journalistischen Innovationen, Experimenten und Tools deutlich.

So hat etwa Tobias Gillen Ideen und Beispiele gesammelt, wie Journalisten #Vine nutzen können, das (relativ) neues Kurzvideo-Tool aus dem Hause Twitter, das die schnelle Verbreitung von maximal sechs Sekunden langem AV-Material über Social Media erlaubt, aber wegen der Einbindung in den Microblogging-Dienst auch großes Potential birgt für Crowdsourcing und das Bringen von Transparenz in journalistische Prozesse. Gillens Vorschläge für dieNutzung im Journalismus sind u.a.:

  • Bei Live-Berichterstattungen auch ein wenig der Atmosphäre einfangen.
  • Die Leser am Zeitungsbau teilhaben lassen.
  • Tweets besser visualisieren.

Ganz in Crowdsourcing-Manier bittet er übrigens auch um weitere Ideen.

Auf VOCER stellt Gillen dann noch – anschaulich an Beispielen illustriert – die Chancen dar, die Social Media insgesamt für Journalisten bieten in Sachen Crowdsourcing und Transparenz, aber auch um als  einzelner Journalist zu einer Marke zu werden.

Auch Ulrike Langer hat sich mit offenem Journalismus beschäftigt und erzählt hier von journalistischen Experimenten mit Transparenz und Publikumsbeteiligung, etwa bei der Winnipeg Free Press, die ihre Redaktionsräume 2011 um ein Café ergänzte, in dem sich nun tagtäglich Journalisten und Leser über den Weg laufen und untereinander austauschen. Im Vergleich zu den USA heiße es für das Publikum in Deutschland hingegen meist noch „Leser müssen draußen bleiben“, so Langer. Eines der raren deutschen Beispiele für die Öffnung journalistischer Prozesse ist etwa die kürzlich gegründete „Agentur für modernen Journalismus“ Netz-Lloyd.

Um offenen Journalismus ging es hier im Blog ja schon mehrfach, wenn von Live-Berichterstattung unter Nutzung sozialer Medien die Rede war: Denn Plattformen wie Twitter lassen Rezipienten nicht nur dabei sein, wenn über Tweets oder andere Kurznachrichten Schritt für Schritt der Bericht  über ein Ereignis entsteht, sondern erlauben ihnen zudem, diesen Echtzeit-Report ebenfalls in Echtzeit und öffentlich zu kommentieren und manchmal sogar zu beeinflussen – indem sie etwa Nachfragen stellen, denen der Journalist oder die Journalistin dann direkt nachgehen kann. Die Dialogizität sozialer Medien kann von Redaktionen aber auch jenseits des Live-Events sinnvoll genutzt werden, wie Rachel McAthy hier am Beispiel von Q&A-Sessions darstellt: Über das Sammeln und Beantworten von Fragen des Publikums zu einem aktuellen oder aufkommendem großen Thema lässt sich etwa herausfinden, was das Publikum – zumindest das aktive Online-Publikum – denn eigentlich noch nicht weiß oder was es noch wissen möchte. So kann die Berichterstattung stärker auf die Bedürfnisse der Rezipienten abgestimmt werden. Über Empfehlungen oder Weiterleitungen von Usern, (Hash-)Tags und andere Funktionen und Attribute können zudem neue Zielgruppen auf das Medium und seine Berichterstattung aufmerksam (gemacht) werden – etwa die Netzwerk-Kontakte von Usern, die bereits zum Publikum des Mediums gehören. Und auch die Bindung zu bereits vorhandenen Rezipienten wird wohl tendenziell gestärkt durch die Möglichkeit zu Dialog und Beteiligung sowie dadurch, dass die Redaktion demonstriert, dass sie ihr Publikum und seine Wünsche und Bedürfnisse wahr- und aufnimmt.

Wer sich noch weiter mit Live-Blogging beschäftigen möchte, dem sei wärmstens dieser Artikel von Neil Thurman und Anna Walters zu “production, consumption, and form of Live Blogs at a popular UK newspaper website” ans Herz gelegt aus der ersten Ausgabe der neuen Fachzeitschrift Digital Journalism, die kostenlos zum Download steht.

Zum Schluss noch ein Hinweis auf “1oo Things I’m Learning at Journalism Interactive 2013″, Daniel Reimolds Sammlung von “practical and inspiring tips, tools, links, quotes, and anecdotes” von der Journalism Interactive-Konferenz, auf der sich vom 7. bis 9. Februar an der University of Florida Journalismus-Wissenschaftler und -Praktiker über Datenjournalismus, Design journalistischer Produkte, mobilen Journalismus und Publikumsbeteiligung austauschten. Reimolds Beitrag ist/war übrigens ein Live-Blog: ein Live-Blog, in dem es u.a. um Live-Blogging geht – so etwas freut doch Fans von Selbstreferentialität und Beobachtungen dritter Ordnung!

Übrigens: Natürlich ist auch dieser Beitrag über offenen Journalismus “offen”, d.h. wir freuen uns über jeden Hinweis auf ein weiteres interessantes Projekt im Journalismus, auf Themen im Umfeld von Publikumsbeteiligung und Transparenz im Journalismus, die wir hier noch nicht behandelt haben usw. [jr]

Februar 26th, 2013

Conference report #2: “from analog to digital”
February 2013, Munich

A snowy weekend early February in Munich: journalism researchers, media practitioners and others came together for two days  in the auditorium maximum of the Institute for Communication Science and Media Research to hear a number of presentations about a currently hot debated topic: “Journalism & Technology”.
On February 8 and 9, 2013 the division “Journalism/Journalism research” of the DGPuK (German Association of Media and Communication Studies) invited the audience to discuss this topic under the motto “From analog to digital”. Thanks to the hard working tweeps, Nele was able to put together a conference Storify (in German) – including meta communication ^^ Further information about the conference, some visual impressions and long abstracts of all presentations can be found on the conference website.

In the first panel, research on various aspects of changing newsroom(s) (practices) was presented:

  • Peter Schumacher started his talk on the new role of online news site chief editors with the statement that “Blattmachen online” is a very diverse and somewhat fuzzy task which contains aspects like the selection, the “mixing”, distribution and presentation of news items throughout the day. He presented the results of eleven semi-standardized interviews with chief editors of online news sites as well as a content analysis of the lead stories (top five slots) of six German news websites. What he found in his research is that the selection routines of chief editors in online newsrooms are not only structured by a specific setting of the workplace – several monitors help the person in charge to simultaneously observe the news stories of news agencies, other news websites and user statistics etc. Moreover, the “Drehgeschwindigkeit” (rotation) of the top stories is heavily influenced by temporal structures, especially by the news production rhythms of the offline pendant; e.g. in the afternoon, more “shovelware” from the print newsroom is integrated on the website. The chief editors also described a certain “topicality pressure”, i.e. they change the top stories very often during the day. For example, Schuhmacher identified patterns of “afternoon nervousness” on taz.de. Regarding the mixture of leading stories, Schuhmacher found that every online newsroom has its own (quite flexible) rules which lead to a specific thematic website profile. To create that certain mixture, most chief editors rely on their long-time experience and assumptions about relevance, but not so much on live statistics and numbers. Instead, clicks and usage data are strategical components which are used to place news stories at the right moment and to gain the highest attention as possible.
  • Afterwards, Sonja Kretzschmar presented a standardized survey among 90 editors responsible for crossmedia activities of local newspaper editions. The findings indicate that while social media nowadays are an important tool for journalistic inquiry, distribution and interaction, other crossmedia activities are not executed extensivly (e.g. very few time is spent on mobile editions). Moreover, the systematic coordination and integration of cross media activities is very limited due to rudimentary organizational routines – according to Kretzschmar, the analyzed German local newspapers did not adjust their work routines to meet the challenges of crossmedia; principles of change management are mostly not taken into account. Instead, the implementation of innovation appears as a “top-down” process, initiated by publishers. Hence, a lack of transparency and internal communication leads to a certain resistance within the newsroom staff (also depending on age and skills). Kretzschmar concluded that there is room for optimization, and a need for further education among journalists within local newspaper departments.

The second panel was dedicated to the role of technology as a supportive structure for participatory practices:

  • First, Thomas Roessing presented his research on Wikipedia as a gateway for breaking news. According to him, the role of Wikipedia (not Wikinews!) in the very moment of breaking news events is highly contested among the members of the Wikipedia community due to the website’s self-understanding as an encyclopedia. He exemplified the function of Wikipedia as a “second-level-gatekeeper” with some case studies (e.g. tsunami in 2004, London bombings in 2005, mass panic at the Loveparade in 2010), where he combined a quantative analysis of the article version histories as well as a qualitative analysis of the community discussions.
  • Christian Nuernbergk presented his dissertation project, a complex network analysis which was based on linkings between over 300 weblogs regarding the news reporting by the leading German online news site Spiegel Online and Indymedia on the G8 summit in Heiligendamm (2007). His project was focused on the participatory performances of information mediation and distribution and their resonance in networks of media related follow-up communication. He came to the conclusion that at that time the bloggers and the blogosphere in general to some extent failed as information facilitators, due to misfunctions in their network structure.
  • Finally, Timo Spieß (together with Annika Sehl) presented his bachelor thesis (!) in which he analyzed the potentials and risks of Social TV and Second Screen for TV journalism. His research object was the “Rundshow”, the first Social TV experiment in German television, which was initiated by the public service broadcaster Bayrischer Rundfunk. The daily late-evening show aired in Summer 2012 and integrated several features such as Google hangouts, interactive tools (e.g. the smartphone app and voting tool “Die Macht”; open editorial conferences) and various Social Media channels. Spieß quantatively analyzed the usage data of these participatory features (>16.000 text fragments and > 32.000 voting results – the data came from the BR). His findings indicate that: a) most social interaction regarding the show took place on Twitter (76,6%) – the second-screen app “Die Macht” was not used extensively for interaction (7,9%) but there was a high interest in the voting function; b) the tools were mainly used by (a smaller group of) users that have been very active beforehand; and c) the users/viewers mainly discussed the show (concept) itself and not so much the current issues – they also showed not much interest in the preparation of the show (e.g. by proposing a topic or submitting material/UGC). All in all, the Social TV experiment reached a smaller (active) group of people with a high social media affinity – a continuation of the program is not planned.

The third panel was entitled technology as a journalistic tool“:

  • Ralf Spiller & Stefan Weinacht presented the first explorative survey among data journalists in Germany. First, it came as a surprise that only 28 persons define themselves as “data-journalists”. Second, data journalists have a quite different self-image than “normal” journalists: they see themselves as investigative “detectives” and “team workers” and emphasize functions such as “to control politics, economy and society”. Nevertheless: According to Spiller/Weinacht it seems questionable if every form of data- journalism really counts as journalism – sometimes it seems more appropriate to refer to it as a “service” which formerly has been called “computer-assisted reporting”.
  • Cornelia Wolf gave a presentation about the technical potential of mobile apps and their implementation by German news media. In her dissertation project, she carried out a content analysis of 457 journalistic smartphone and tablet apps with regard to ten dimensions of their technical potential (e.g. actuality, additivity, connectivity, intuitivity or playfulness). Her findings indicate that journalistic apps in general do not make extensive use of interactive functions; interestingly, radio apps integrate features for content production to a higher extent than other media types. Furthermore, the use of technical potentials seems to be highly dependend on the “mother medium”. All in all, print magazines appear  to offer the most innovative apps, although mobile specifics, such as context sensitivity, are not embedded (yet).

Two members of our project team also participated in the conference – Wiebke as the speaker of the DGPuK group and host of panel 4 “technological intermediation” which included a talk by Nele. In her presentation about technical artifacts as intermediaries (the slides are available on our “Output” page), Nele discussed the conference theme from a macro perspective by taking into account the “other” side of journalism: the audience. In her talk she brought up a systematization of technical objects (divided into infrastructure, hardware and software), and some explanations why they sometimes appear complicated for media pracitioners, users and researchers alike (which stems from their seamlessness, their dynamic and multiple layers etc.).  Nele also proposed a systematization of intermediating functions of technical objects as well as a model that integrates journalists, users and technical objects (their design, functionality and purpose), and how they are mutually shaping or being shaped by processes of appropriation, routines/practices of usage and social representations [>> Note: this is work in progress^^].

Two keynotes & one panel discussion

The first keynote by John Pavlik on day one surely was a highlight of the event. Via live video streaming from Qatar, Pavlik gave an introduction to the implementation of Augmented Reality (AR) in the field of journalism. One example was his project on situated documentaries which he called a form of “first person journalism” (non-linear, interactive, dynamic, contextual and immersive) where the user becomes an ethnographer of his environment; another example was a special issue of the “Süddeutsche Zeitung Magazin” in 2010. According to Pavlik, among the profits of using AR in journalism are the effective addressing and (re-)engagement of younger user segments (in times of multi-screen usage and widespread use of mobile devices). Nevertheless, journalists must think innovative and creative to harness these potentials of storytelling which could also enable a “fluid discourse”. Pavlik ended his talk with the (rather critical) remark that “technology intermediaries now control the future of the news”, an issue which has to be discussed.

In the late afternoon, Christoph Neuberger moderated a panel discussion that brought together four experts from the R&D area: Prof. Dr. Berchtold pointed out that the printing industry is declining and investments in innovation on the field are rare; Dipl.-Ing. Christoph Dosch introduced the “Contentus Project”, a very interesting attempt to make media content more accessible and archivable via meta data and semantic search; Hannspeter Richter (workflow management at Bayrischer Rundfunk) talked about the new trimedia strategy of the broadcaster, i.e. in the future, the editorial departments of TV, radio and online will work together on specific topics and produce content for all three media; and Prof. Dr. Hußmann who talked about his work at the department for media informatics (University of Munich) and future developments, e.g. the ubiquity of video displays, moving images and interactivity as a standard requirement of media content, new workplaces (like BendDesk) and new challenges for journalists (such as the authentification of sources with the help of implicit biometrical information). In the following discussion it was problematized that journalism research is always more or less behind technological innovation because academics are learning about new technological tools when they are already implemented in newsrooms. Another issue was the supplement and substitution of journalistic work by technology. Good news for journalists: crafting/handiwork might be substituted in many areas, but intellectual performances will not. Or, as Mr. Dosch, has put it: “Journalists are the soul of democracy”.

In the second keynote (on day two), Jürgen Wilke from the University of Mainz talked about technological change and journalism from a historical perspective. He drew a historical, physically determined line from mechanization to electrification till computerization and digitization. According to Wilke, the electrification of journalism was a rather late phenomenon which was mainly driven by economic aspects and led to several thrusts of acceleration. Eventually, such phases of technological change are influencing journalism on four levels: information gathering, information processing, information content and formal presentation, as well as information dissemination.

Room for Discussion

Overall, the (well organized) event was dominated by empiricial research and showed a variety of methodological approaches towards (technologically driven) innovation and technology-related changes on the field of journalism. In his final remarks, the local conference organizer, Prof. Dr. Christoph Neuberger, pointed out that the timely analyses of current developments in the journalism field was very impressive (which it was). At the same time, he encouraged journalism researchers to push forward theory building (as an important addition of descriptive work) and methodological innovation – I absolutely second that. Two important aspects were added by the audience: a) that journalism research should rethink the “newness” of recent developments and, in this context, should consider older studies and theories which were elaborated in decades that saw massive structural changes (e.g. computerization of newsrooms in the 70s/80s); and b) that we should reflect very carefully about tendencies to “fetishize” innovation as a merely positive connotated, “natural” development – not only with regard to our research objects but also our own research and interpretations.

[nh]

Februar 25th, 2013

Beitrag für BPB-Dossier “Lokaljournalismus”

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat ein Online-Dossier “Lokaljournalismus” veröffentlicht, in dem auch ein Text aus dem jpub20-Projekt enthalten ist: “Vom Gatekeeping zum Gatewatching. Verändern Soziale Medien den Journalismus?“. [js]

 

Februar 13th, 2013

Tagungsbericht “Wandel und Messbarkeit des öffentlichen Vertrauens im Zeitalter des Web 2.0″

Am 25.1. fand auf dem Mediencampus in Leipzig die Fachtagung “Wandel und Messbarkeit des öffentlichen Vertrauens im Zeitalter des Web 2.0″ des Instituts für Praktische Journalismus- und Kommunikationsforschung (IPJ) statt. Das Programm war in vier aufeinander folgende Panels aufgeteilt, die jeweils die Sicht und Erkenntnisse einer der vier Säulen des Instituts – Kommunikationsmanagement, Journalismusforschung, Medien-Informatik, Markenkommunikation – widerspiegelten und somit einen interessanten interdisziplinären Zugang zur Vertrauensforschung boten:

Zunächst erläuterte Günter Bentele Grundlagen seiner Theorie des Vertrauens und Möglichkeiten seiner Messung und verwies auf die wachsende Bedeutung von Vertrauen für und in Personen, Organisationen und Systeme in der Mediengesellschaft. Anschließend stellte Patricia Grünberg unter dem Motto „Vertrauen in das Gesundheitssystem“ eine Inhaltsanalyse von Printberichten zu Zeiten gesundheitspolitischer Reformvorhaben vor, die u.a. ergab, dass Medienbeiträge zum Gesundheitssystem hauptsächlich negativ ausfallen. Das letzte Drittel des Kommunikationsmanagement-Teils bestritt Jens Seiffert mit einem Vortrag zur angeblichen Vertrauenskrise des Finanzsystems in Deutschland: Nach seinen Analysen des Corporate Trust Index, einer Erhebung der Existenz und Bewertung von sieben Vertrauensfaktoren in Printberichten zu bestimmten Unternehmen, drücken Journalisten trotz Wirtschaftskrise in ihrer Berichterstattung nach wie vor Vertrauen in die Wirtschaft aus.

Wenn über öffentliches Vertrauen geredet wird, darf auch der Journalismus als großer Hersteller von Öffentlichkeit (oder zumindest öffentlichen Kommunikationsangeboten) nicht fehlen. So befasste sich auch der zweite Tagungsteil mit Journalismusforschung. Im ersten Beitrag gab Michael Haller einen Überblick über die Forschung zu öffentlichem Vertrauen und der Rolle der Medien. Für das jpub-2.0-Team war ich vor Ort und sprach über eine etwas andere Verbindung von Vertrauen und Journalismus, nämlich darüber, ob und wie Transparenz im Journalismus das Vertrauen in Journalismus beeinflusst. Aufbauend auf dem Artikel „Transparenz im Journalismus“, den Klaus Meier zusammen mit mir veröffentlichte, befasste sich mein Vortrag zunächst mit der Frage, was Transparenz im Journalismus überhaupt ist: Wie lassen sich so unterschiedliche Transparenz-Instrumente wie die Verlinkung von Quellen, Ombudsmänner, Webvideos von Redaktionskonferenzen, Hinweise auf korrigierte Fehler usw. unter einer Definition zusammenfassen? Und wie kann ein theoretisches Modell dennoch der Mannigfaltigkeit des Phänomens gerecht werden? Ausgehend von der häufig geäußerten Behauptung eines positiven Zusammenhangs zwischen Vertrauen und der Öffnung (oder zumindest Offenbarung) journalistischer Prozesse und Ressourcen wurden im zweiten Teil des Vortrags u.a. vier der wenigen empirischen Studien zu dieser These vorgestellt. Das Fazit: ein klares, bestimmtes, typisch sozialwissenschaftliches „Es kommt darauf an.“ (Die Folien zum Vortrag können auf meinem Slideshare-Account angesehen werden.) Anschließend berichtete Christian Bollert, wie er und seine drei Mitstreiter u.a. durch Transparenz in Form eines Redaktionskodexes bei Rezipienten und Werbekunden Vertrauen in eine neue Medienmarke herstell(t)en, nämlich in das von ihnen gegründete Webradio detektor.fm.

Der dritte Teil der Tagung befasste sich mit den Möglichkeiten der Messung öffentlichen Vertrauens durch Text Mining, ein Verfahren der Medien-Informatik, bei dem computergestützt große Textmengen, etwa Zehntausende Presseberichte, inhaltsanalytisch ausgewertet werden können. Als Beispiel ging Gerhard Heyer etwa auf eine Analyse des Zusammenhangs von Aktienkursen und Unternehmensmeldungen in den Medien ein, nach der positive Berichte über eine Firma keinen, negative aber einen negativen Effekt auf den Börsenwert des Betriebs haben. Allerdings wies er auch auf das Problem rein quantitativ orientierter Verfahren der Textanalyse hin, nämlich dass Wichtiges unter Umständen nicht so oft gesagt bzw. geschrieben wird. Auch stelle jedes Verbreitungsmedium spezielle Ansprüche an die Analyse. So seien Sentimentanalysen von Blog-Posts wegen der häufig in ihnen vorkommenden Ironie (noch) deutlich weniger aussagekräftig als die von anderen Textsorten. Gregor Wiedemann und Andreas Niekler erläuterten anschließend, wie das Text Mining im aktuellen Projekt „Postdemokratie und Neoliberalismus“ zur Anwendung kommen soll, und zeigten erste Auswertungen. Besonders interessant aber war die anschließende Diskussion: Ein Zuhörer fragte nach, in wie fern das Verfahren auch berücksichtigen könne, dass sich die Bedeutungen von Wörtern auch verändern können. Als Beispiel nannte er den Begriff „Kollateralschaden“, der zunächst nur im Zusammenhang mit bewaffneten Konflikten gebraucht, aber zunehmend vom militärischen Kontext gelöst worden sei, so dass man ihn heute etwa auch in Bezug auf betriebsbedingte Kündigungen verwende. Die Vortragenden beschwichtigten: Da die Wörterbücher, die den Analysen zu Grunde liegen, jeweils von einem Experten für das untersuchte Gebiet mitgestaltet würden, könne das Problem umgangen werden. Zur Demonstration der Schnelligkeit der Software, ließen sie sich vom Programm adhoc eine Visualisierung des Vorkommens des Wortes „Kollateralschaden“ in Printartikeln seit 1998 anzeigen – und belegten damit gleich die Vermutung einer Bedeutungsveränderung des Begriffs: Wurde der Begriff zu Beginn des untersuchten Zeitraumes noch fast ausschließlich in Phasen von Kriegen und Konflikten in der Presse benutzt, kam er zum Ende der Analyseperiode deutlich verstreuter vor, was darauf hinweist, dass er nicht mehr nur im militärischen Kontext verwendet wurde.

Der abschließende Tagungsteil befasste sich mit dem Vertrauen in Marken im Zeitalter des Social Web. Da ich meinen Zug erwischen musste, kann ich hier leider nur die Informationen aus dem Programmheft wiedergeben. Demnach reflektierten zunächst Manfred Kirchgeorg und Martin Wiedmann über das Vertrauenskonstrukt in der Marketingwissenschaft und stellten empirische Beispiele vor. Anschließend berichtete Steffen Hermann über die Interdependenz von Social Media, redaktionellen Medien und Unternehmensreputation/-vertrauen bei Stakeholdern.

Insgesamt war das Tagungsthema „Wandel und Messbarkeit des öffentlichen Vertrauens“ eine gute Klammer für die sehr unterschiedlichen Forschungszweige und führte dazu, dass sich in jedem Tagungsteil vielfältige Anschlusspunkte für die drei anderen im Institut vertretenen Disziplinen ergaben – und auch für Psychologen und Soziologen, wie sie sich im Plenum fanden. Das einzige Manko war das Fehlen von W-Lan und Hashtag. Vielleicht war ja auch deshalb der Teil „im Zeitalter des Web 2.0“ auf dem Tagungsflyer deutlich kleiner abgedruckt als der Rest des Konferenztitels.

(Ein weiterer Bericht zur Tagung findet sich auch auf der Website des IPJ.) [jr]

Februar 3rd, 2013

New(s) stuff

After four months we think it’s time for a new roundup of recent developments and innovations in journalism and user participation.

One tool journalists are currently experimenting with is Google-Hangouts. Rob O’Regan knows six ways in which newsrooms can use Google-Hangouts, i.e. for

  • interviews (obvious)
  • discussing breaking news
  • how-to’s, demonstrations or educational programming
  • collaboration within the newsroom (e.g. to jointly discuss story development)
  • chats of writers and editors with paying users
  • focus groups to get feedback on issues, articles, websites etc.

Btw: O’Regans evaluation that “Google+ is not yet a Facebook killer” is certainly true for the majority of people. But for a small number of recipients of online journalism, Google+ has already killed Facebook: Some of the users we interviewed for jpub20-case studies valued Google+ much higher than Facebook in terms of discussion quality and culture.

Similarly, these 91 (!) slides by Mykl Novak offer not only an overview over the contents and functions of tumblr and the socio demographics of its users as well as comparisons with Facebook, Google+ and Twitter as far as unique visitors and duration of visits are concerned, but also present some examples of how newsrooms use tumblr. Among Novak’s tip: Strike a balance between

  • creation
  • curation
  • transparency
  • new, visual formats and
  • and user participation/crowdsourcing.

You’re rather interested in using Pinterest for journalism? No problem: Mallary Jean Tenore tells you how other journalists use Pinterest to

  • highlight feature content
  • resurface old content
  • respond to news events
  • showcase local attractions and events and
  • reach new audiences.

In this older German post, we already told you about Truth Teller, an application that spots false claims made by politicians in speeches, interviews and so on – in real-time! An algorithm transcribes the words of the speaker into text checks them against the Washington Post’s database of checked facts. Now the WP has launched the prototype of Truth Teller and explains how it works in a video. In a recent post, David Holmes explains the advantage of using robots to do the fact-checking: No one would think they’re biased. But Holmes also points to the problem that the WP’s database the politicians’ claims are checked against consists of facts that have been verified by real human journalists. And if that data leans one way or the other, the unbiased algorithm produces biased evaluations nonetheless. Furthermore, the robot checks keywords, figures and so on. But it cannot understand what it transcribes so that it cannot check whether correct facts are used in a misleading context. However, “For right now at least, the program seems to hit a sweet spot between human reporting and algorithmic data collection.”, Holmes writes and suggests using Twitter as a data source for robot fact-checking during breaking news events.

In any case, “data” is a word you hear and read more and more often together in one sentence with “journalism”. No wonder that newsrooms are thinking about how to organize and utilize it: Sarah Marshall reports on a library software for collecting data and on how journalists extract stories from it. And Luuk Sengers writes about a research database that stores documents, questions, contacts, calendars and so on in one file.

If a newsroom used one of these tools publicly, it could showcase its research processes – thus, create transparency – and invite users to participate by saying which questions should be answered first because they are most important to them, by adding questions to be answered, by pointing to sources who could answer the journalists’ questions and so on. German daily Frankfurter Allgemeine Zeitung has just completed a three-day-experiment with such a kind of user participation using an interactive mindmap to gather research questions and answers concerning as well as to discuss about textile production.

From live-research to live-coverage: Reporting current events in real-time using Twitter offers recipients unique opportunities to comment on the event itself as well as on the way quality of coverage. David Higgerson offers some advice for journalists who want to give it a try. tl;dr? Just take a look at this infographic about live-blogging by Elisabeth Ashton. Interested in more infographics? Cool Infographics is a site dedicated only to them. And if you are searching for a tool to use for live-blogging, you should read Sarah Marshall‘s article on Liveblog Pro, a platform built by two students and a journalist who seem not to have much confidence in journalists’ skills concerning the adoption of new technology: “Liveblog Pro was built with journalists in mind, making it as simple as possible.”

The fine thing about Twitter is that you cannot only use it to disseminate information but also to collect it. However, using tweets as a source is very risky unless the information gathered is verified. Fortunately, Steve Buttry knows how to evaluate the validity of tweets. It might also be useful to watch this video in which Malachy Browne explains how Storyful separated news from noise by verifying user-generated videos and images during hurricane Sandy. In case that for once you haven’t checked the info carefully enough: Rachel McAthy talked to Steve Buttry, Craig Silverman and others about how to correct mistakes online. [jr]