April 16th, 2012

Artikel im Journalistik Journal erschienen & Teil 1 der Feldphase beendet

Erfreuliche Nachrichten und ein Lebenszeichen aus dem #jpub20-Projekt:

Ende März ist ein Artikel von Nele & Julius in der aktuellen Ausgabe des Journalistik Journals erschienen, nachzulesen auf der Webseite des Journals der TU Dortmund. Auch Wiebke hat, gemeinsam mit Thomas Birkner, einen historischen Aufriss zur Entwicklung von Beteiligungsformen sowie dem Wandel der Publikumsrolle vor und mit dem Aufkommen des Social Web zu dieser Ausgabe beigetragen.

Zum Hintergrund: das aktuelle Heft widmet sich dem thematischen Feld “Partizipativer Journalismus – Zwischen Wunsch und Wirklichkeit” und wird folgendermaßen angeteasert:

Anspruch und Wirklichkeit des partizipativen Journalismus klaffen in Deutschland nach wie vor weit auseinander. Einerseits werden die Chancen, die die Einbindung von Rezipienten in die Medienarbeit mit sich bringt, kaum mehr bestritten. Andererseits lässt die tatsächliche Umsetzung partizipativer Elemente im redaktionellen Alltag noch viele Wünsche offen. Die neue Ausgabe des Journalistik Journals will den Status quo des Mitmach-Journalismus in all seinen Facetten beleuchten.

Zu den Autoren der allesamt lesenswerten Artikel gehören u.a. Sven Engesser, Wiebke Möhring und Thorsten Quandt.

Eine weitere gute Nachricht aus dem Projekt-Dschungel betrifft den ersten Teil unserer Feldphase bei der tagesschau. In der Woche vor Ostern fand nämlich das letzte Interview in der Redaktion der tagesschau statt. Insgesamt führten wir zehn interessante und spannende Gespräche, mit den Leitern der Off- und Online-Redaktion, CvDs aus dem TV- und Online-Bereich sowie Vertretern zweier neuer Rollengattungen: Social Media-Redakteure und so genannte Multi-Media-Assisten. Was genau diese machen, welche Erkenntnisse wir getroffen haben und was uns das alles über Publikumsinklusion bei der tagesschau sagt – dazu später mehr, hier im Projektblog.

[nh]

März 21st, 2012

Submission accepted for “Neo-Journalism” conference

A couple of days ago we were informed that a submission of ours for the conference “Towards Neo-Journalism? Redefining, Extending or Reconfiguring a Profession” has been accepted. We’re looking forward to travel to Bruxelles at the beginning of October 2012 and to present first results of our project; an excerpt of our abstract is below. [js]

Journalism and participatory media – Blurring or reinforcement of boundaries between journalism and audiences?

(…)

The presentation will focus on both theoretical and empirical findings from an ongoing research project on “(Re-)Discovering the audience”. It relies on an analytical framework derived from sociological inclusion theory which can account both for increasing participatory activities as well as for tendencies or strategies of boundary work and demarcation, thus identifying areas of blurring boundaries or increased stability between journalistic and audience roles. (…) [see the preprint of our paper for more detail on the theoretical background]

Within the project, we apply the theoretical framework by means of a multi-method approach combining qualitative and quantitative instruments. In particular, between 2012 and 2014 we’ll conduct six case studies of different news media in Germany which act within the convergence areas of TV-Online and Print-Online respectively. The presentation will provide results from the first case study conducted: From January to July 2012, inclusion performance and inclusion expectations for the leading German TV news broadcast “Tagesschau” and its online platform “tagesschau.de” will be examined. Methodologically, we will perform (and present results of)

(a) in-depth interviews with chief editors and selected members of editorial staff who manage audience activities (target n=6) as well as

(b) in-depth interviews with viewers/users (target n=6);

(c) standardized online surveys among the full editorial department as well as

(d) standardized online surveys among the users of the online platform.

März 16th, 2012

Tagungsrückblick GOR 12 und Studie zu Social Media Guidelines im Journalismus

Vom 5. bis 7. März versammelte sich die kommerzielle wie akademische Online-Forschung in Mannheim zur alljährlichen General Online Research Conference, um die neuesten Erkenntnisse und Entwicklungen in den Bereichen Web-Survey-Design, Crowdsourcing, Social Media, Datamining, Privacy usw. auszutauschen. Auch das Hans-Bredow-Institut war wieder vertreten:

Uwe Hasebrink legte der Zuhörerschaft in seiner Keynote „Practices of internet use – revisited“ ans Herz, nicht nur auf das Internet zu schauen, sondern in Studien verstärkt einen transmedialen Ansatz zu verfolgen, der das Zusammenspiel der Nutzungen unterschiedlicher Medien und Plattformen wie TV, Print, Social Media usw. berücksichtigt: Das Publikum hat unterschiedliche Informationsbedürfnisse und stellt sich sein Medienportfolio dementsprechend zusammen. Bei der Frage, welche Plattform wofür genutzt wird, sollten sich die Forscher außerdem nicht auf ihre eigenen Kategorisierungen verlassen, sondern die Nutzer selbst fragen: Diese könnten am ehesten einschätzen, ob sie z. B. Social Media nun zur Kommunikation mit anderen oder vielleicht eher zur Rezeption von Nachrichten und anderen Informationen nutzten.

Das jpub-2.0-Team stellte eine explorative Studie zu Social-Media-Richtlinien im Journalismus vor, die im Rahmen des DFG-Projekts entstand. Die Inhaltsanalyse von 17 Guidelines von Redaktionen und Medienorganisationen aus dem deutschsprachigen und anglo-amerikanischen Raum konzentrierte sich auf die Fragen,

  • ob die private und/oder professionelle Nutzung von sozialen Medien durch Journalisten im Fokus steht,
  • welche rechtlichen Grundlagen und Probleme die Richtlinien ansprechen,
  • welche Rollen und Aktivitäten des Social-Media-Publikums Erwähnung finden und
  • für welche journalistischen Praktiken in sozialen Netzwerken – etwa Recherche, Themenbeobachtung und -selektion oder Distribution von Inhalten – Empfehlungen ausgesprochen oder verbindliche Regelungen getroffen werden.

Ab 26. März sind die Präsentationen auf der Konferenz-Website für die Öffentlichkeit zugänglich. Wer nicht so lange warten will, findet zumindest unsere Social-Media-Guidelines-Studie auf schon jetzt auf unserem brandneuen Slideshare-Account.

[jr]

Februar 25th, 2012

jpub 2.0 geht ins Feld – und zwar bei der Tagesschau

Endlich ist es soweit. Letzte Woche sind wir bei unserer ersten von sechs Fallstudien in die Feldphase eingetreten – und das gleich beim Flaggschiff des deutschen TV-Journalismus: der tagesschau!

Nun werden wir sehen, ob wir im Vorhinein genug gelesen, gegrübelt und unsere Erhebungsinstrumente getestet haben. Die ersten Leitfaden-Interviews jedenfalls liegen bereits hinter uns und sind sehr gut gelaufen. Am Ende werden wir mit den unterschiedlichsten Posten in der Redaktion der Nachrichtenendung und ihres Online-Pendants tagesschau.de gesprochen haben: Chefredakteuren und strategischen Leitern, CvDs, Social-Media-Redakteuren und Community Managern. Anschließend folgt eine standardisierte Online-Befragung der gesamten TV- und Online-Redaktion, nebenbei laufen Inhaltsanalysen von TV-Sendung und Web-Angebot.

Und natürlich schauen wir ebenso genau auf die Publikumsseite, interviewen unterschiedlich aktive tagesschau.de-Nutzer zu ihren Aktivitäten, Erwartungen und Motiven, starten eine Online-Umfrage unter ihnen und nehmen ihre Beiträge auf der Website und Facebook inhaltsanalytisch unter die Lupe. So hoffen wir, das Verhältnis von professionellem Journalismus und (sich beteiligendem) Publikum – zunächst für die Tagesschau – näher zu ergründen. [jr]

Februar 20th, 2012

Rückschau: DGPuK-Tagung “Journalismus & (sein) Publikum”

Bereits einige Tage ist es her, dass die creme de la creme der Journalismus- und der Rezeptionsforschung an der Uni Hamburg zu Gast war. Anlass der Zusammenkunft war der “Journalismus und (sein) Publikum”. Genauer gesagt die gemeinsame Tagung der Fachgruppen Journalistik/Journalismusforschung und Wirkungs- & Rezeptionsforschung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Für unser Projekt gab es zahlreiche anregende Beiträge, z.B. die Journalisten-Befragung von V. Wyss & M. Saner. Die Schweizer Kollegen stellten in Interviews und Umfragen fest, dass im Journalismus, zumindest der beforschten Medien, diffuse Publikumsbilder vorherrschen. Gleichzeitig verpasse man zahlreiche Chancen in der Auseinandersetzung mit und der Beobachtung des Publikums.  Spannend. Eine Übersicht aller Beiträge findet sich auf der Tagungsseite.

@jpub20team twitterte fleißig

Wie man es auf Tagungen ja nun fast schon gewöhnt ist, haben unsere Mitarbeiter Nele und Julius gemeinsam mit weiteren Twitterern fleißig den Verlauf der Tagung dokumentiert. Einen Überblick über die tagungsbegleitende Meta-Kommunikation gibt Nele’s Storify.

Wir bedanken uns recht herzlich für die schönen Gespräche am Rande, den wissenschaftlichen Austausch und viele viele Anregungen. Nun denn: man sieht sich in Berlin!

[nh]

 

Januar 26th, 2012

Paper for Information, Communication & Society

Good news: A paper by Wiebke Loosen and Jan-Hinrik Schmidt has been accepted for publication in a special issue of the renowned Journal “Information, Communication & Society“. The special issue, edited by Oscar Westlund (University of Gothenburg) and titled “Three Tensions Shaping Creative Industries in a Digitized and Participatory Media Era”, is scheduled as Nr. 6 of 8 issues this year, so expect the publication in the second half of 2012.

Our paper “(Re-)Discovering the Audience. The relationship between journalism and audience in networked digital media” is presenting and discussing the theoretical framework on which our research project is grounded. A preprint is available here; the abstract follows. [js]

Current technological, organizational and institutional changes fundamentally alter the relationship between journalism and its audience – with consequences not only for journalistic practice, but also for theoretical and methodological issues of media research. After briefly recounting three perspectives on the audience, the paper outlines key aspects of the sociological theory of inclusion and explicates them in a novel and comprehensive heuristic model of audience inclusion in journalism. It introduces two constructs which apply both for journalism and the audience: (1) inclusion performance subsumes inclusion practices and their manifest results, and (2) inclusion expectations subsume attitudes, norms and perceptions with respect to audience inclusion in journalism. The degree of congruence between performances of journalists and audience members is interpreted as inclusion level; the degree of congruence between the expectations is interpreted as inclusion distance. This model can serve as a heuristic for empirical operationalization, helps to systematize existing and future research on digital networked media and journalism into a coherent sociological framework, and is also open for comparative research on participation in other social systems.

 

 

 

Januar 13th, 2012

Neil Thurman talks about “live blogging at the Guardian”

Neil Thurman, senior lecturer at the City University London, is visiting the University of Hamburg. My colleague Monika Pater and I invited him to present his research in our class “journalism and audience”, which is part of the Erasmus Mundus Master „Journalism and Media within Globalisation“.

On Wednesday the 18th of January 2012, Neil Thurman is going to speak about live blogging at the Guardian. Here is the abstract he handed us in:

“Live Blogging - News Websites’ Silver Bullet?”
Live Blogging is a synthesis of traditional journalism and contemporary digital technologies that is changing the way news is produced, presented, and consumed online. The format has been adopted by news publishers worldwide and is generating more visitors for news sites, for longer periods of time, than conventional articles or picture galleries. It is increasingly the default
format for covering major breaking news stories, sports events, and scheduled entertainment news. Live Blogging combines conventional reporting with curation, where journalists sift and prioritise information from secondary sources and present it to the audience in close to real time, often incorporating their feedback. This lecture argues that Live Blogging is an
expression of the changing relationship between news organisations and the public, meeting transformed consumer preferences for news delivery and formatting, exposing the inner workings of the newsroom to the readers, calling upon them to verify material themselves, and engaging them in a collaborative relationship different from other forms of ‘participatory journalism’ classified thus far. Live Blogging may even be increasing readers’ trust in journalistic institutions and making public affairs content more palatable.

Neil Thurman has published widely on online journalism. Therefore, our project team is looking forward having an inspiring discussion on shared research interests.

As our class room at the University of Hamburg is limited in space, Neil’s presentation isn’t open to the public. So, if there is an interest to join us, please contact us.

[wl]

Januar 4th, 2012

Social-Media-Verweise auf publizistische Medien

Jens Schröder, der als Popkulturjunkie und für das “Hyperland” des ZDF bloggt, hat gestern eine interessante Liste veröffentlicht: Die 100 deutschsprachigen publizistischen Beiträge aus dem Internet, die auf sozialen Medien im Jahr 2011 die größte Resonanz erfahren haben, gemessen als Summe der Empfehlungen bei Facebook, Google+ und Twitter. Im Hyperland-Beitrag schlüsselt er auch auf, welche Themen dieser Maßzahl zufolge 2011 besonders “gut gingen” – die Guttenberg-Affäre, Viren-Warnungen zu Facebook sowie die Schließung des Portals kino.to waren gleich mehrfach unter den Top 100 vertreten.

Mit Unterstützung unseres studentischen Mitarbeiters Niklas Weith (der an seinem ersten Arbeitstag gleich mal mit ad-hoc-Empirie konfrontiert wurde) haben wir die Liste der 100 Beiträge selbst noch einmal aufbereitet und zusätzlich verdichtet.

Vertrautes Aufmerksamkeitsmuster

Die Verteilung der Summe an Verweisen zeigt ein vertrautes Bild: Die populärsten Beiträge haben einen gewissen Abstand untereinander, während etwa ab Rangplatz 20 die Unterschiede deutlich geringer werden. Das Resultat ist die oben gezeigte Kurve, die bereits einen “long tail” aufweist – obwohl es sich dabei natürlich um überproportional aufmerksamkeitsstarke Beiträge handelt, wenn man die Gesamtheit aller publizistischen Beiträge auf ihre Verlinkungen etc. untersucht.

bild.de und Spiegel Online dominieren

Beim Blick auf die Anzahl der verschiedenen Beiträge, die aus einem publizistischen Angebot stammen, fällt sofort die Sonderstellung von bild.de und Spiegel online auf – beide zusammen vereinen 45 Beiträge, also fast die Hälfte der Top 100 auf sich. Auf Platz 3 folgt der “Postillion”, ein satirisches Online-Magazin, dass es in diesem Ranking vor etablierte Leitmedien wie die FAZ, die Welt oder die ZEIT geschafft hat.

Ein letzter Schritt bestand darin, für jedes Angebot zu vermerken, ob es sich um ein publizistisches Angebot handelt, das auch offline (in Print, TV oder Radio) vertreten ist, oder um ein reines Online-Angebot. Das Ergebnis: 79 der 100 Artikel stammen aus “etabliert-publizistischen Angeboten”, 19 aus den rein online publizierenden Angeboten. Zudem gab es einen Beitrag – von Richard Gutjahr – aus einem persönlichen Blog, und einen – vom Bundeskriminalamt – von einer Organisations-Homepage. Eine tiefergehende bzw. detaillierte Analyse wäre sicher denkbar, z.B. eine weitere Differenzierung der publizistischen Angebote oder aber eine Analyse der Themen, die es in die Top 100 geschafft haben, aber wir können nicht versprechen, dass wir es zeitlich auch hinkriegen…
[js]

 

Januar 4th, 2012

Jahres-Nachlese 2011 – highlights & daily routines @jpub20

Das neue Jahr hat begonnen – ein Zeitpunkt, an dem wir gerne darauf zurückblicken, was im vorangegangenen Jahr bzw. in den letzten drei Monaten so alles passiert ist, hier in der Warburgstraße.

Im Oktober 2011 hat die Arbeit an unserem Projekt begonnen – für uns alle, aber insbesondere für Wiebke und Jan ein großer Moment, da beide lange auf den Projektstart hingearbeitet haben. Am Anfang ging es uns vor allem darum, Arbeitsroutinen zu entwickeln und herauszufinden, was jeder an Erwartungen, Zielen, Kompetenzen und Interessen in das Projekt mitbringt. Zu diesem Zweck haben wir einen sehr produktiven Projekt-Auftaktworkshop im Hamburger betahaus abgehalten. Dabei wurde bereits klar, dass wir mit unseren Fallstudien einen ganz schönen Batzen Arbeit vor uns haben.

daily routines

Um diese Arbeiten zu koordinieren und zu dokumentieren, haben wir verschiedene “Tools” entwickelt, die uns das Leben leichter machen (sollen): es gibt ein wöchentliches, protokolliertes Projektmeeting; einen tabellarischen Zeitplan, einen Wandkalender  sowie eine Übersicht zu aktuellen Call for Papers, die uns zur Orientierung dienen und regelmäßig geupdated werden; eine wöchentliche Kalenderwochen-Info, in der Arbeitsschritte, neue Dokumente und verschiedene “Vorkommnisse” (z.B. Weihnachtswichteln) festgehalten werden. Zur Durchführung unserer Fallstudien nutzen wir, in Anlehnung an Yin (“Case Study Research”, 2003), Fallstudien-Protokolle, in der wichtige Schritte dokumentiert werden, sowie Fallstudien-Datenbanken, in der relevante Dokumente, z.B. unser Mail-Verkehr mit den Kooperationspartnern (digital und analog), und Ideen und Beobachtungen in Form von Case Study Notes abgespeichert werden.  Eine beständig wachsende Citavi-Datenbank darf dabei freilich auch nicht fehlen.
Für die externe Kommunikation und den Transfer unserer Ergebnisse nach außen haben wir uns für die Einrichtung dieses Blog und eines Twitter-Accounts entschieden. Auch mit der Frage im Hinterkopf: Wie arbeitet eigentlich ein Forschungsinstitut im 21. Jahrhundert? Für uns jedenfalls sind beide Dinge hilfreiche Mittel, um aktuelle Belange festzuhalten, auf Call for Papers hinzuweisen oder uns mit anderen Projekten zu vernetzen (s. Links) – und außerdem kann ein bisschen Transparenz nicht verkehrt sein …
Und noch ein kleines Gimmick haben wir uns zugelegt: Zur Sammlung von Begriffen, die den Wandel des Journalismus unter den Vorzeichen des Internet beschreiben, und zu unserem ganz privaten Vergnügen haben wir die “Incredible J-Wall” ins Leben gerufen. Mithilfe unserer fleißigen Blog- und Facebook-Kommentaroren und den Geschenkpapierresten des Weihnachtswichtelns sind wird nun schon bei 27 Begriffen bzw. “bubbles” – vielen Dank und weiter so!

highlights

Zu den Highlights des letzten Jahres gehört neben dem guten Projektstart sicher die Annahme aller unserer eingereichten Beiträge zu den Tagungen der DGPuK (Jahrestagung 2012 + FG-Tagung Medienethik/CvK) sowie zur GOR12. Außerdem findet vom 02. bis 04. Februar die gemeinsame Tagung der DGPuK-Fachgruppen Journalistik/ Journalismusforschung und Rezeptions- und Wirkungsforschung hier in Hamburg statt. Beim Thema “Journalismus und (sein) Publikum” sind wir natürlich ganz besonders gespannt auf die Vorträge …

Neben den Tagungen, die wir in diesem Jahr noch besuchen und mitgestalten werden, waren wir 2011 natürlich selbst auf der ein oder anderen Veranstaltung zu Gast. Julius etwa hat gemeinsam mit Max Ruppert in Stuttgart einen Vortrag zum GuttenPlag-Wiki auf der Herbsttagung der Sektion „Wissenschafts- und Technikforschung“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie  gehalten.
Spannend, umstritten, leicht psychedelisch und sehr vielschichtig ging es schließlich Ende Oktober zu auf dem 1st Berlin Symposium on Internet & Society, Teil der Gründungsveranstaltung des Humboldt Institutes für Internet & Gesellschaft, zu dessen kooperierenden Partnern das Hans-Bredow-Institut zählt. Wiebke, Jan, Nele, Julius und ein großer Teil der Bredows durften diesem Event beiwohnen. Viel wurde geredet über die Zukunft des Netzes, über Governance, Regulierung, Politik, Freiheit, Kreativität und Innovationen in und um das Internet. Für uns von besonderem Interesse war dabei der Workshop “traditional roles in transition“, bei dem Chris Anderson seine Ideen zu Algorithmen und Journalismus präsentierte.  Neles persönliche Highlights der Tagung und ein paar visuelle Eindrücke finden sich in ihrem Blog “forscher norden“. Das offizielle round-up der Tagung ist hier zu finden.

Eine weitere Tagung, die für uns sehr interessant war: “Zwischen Partizpationskultur und Selbstausbeutung. Medienmacher und Mediennutzer im Social Web” des Promotionskollegs ComDigMed an der Universität Erfurt. Jan hat hierzu bereits in seinem Blog einen Post veröffentlicht und dafür das nette Tool Storify ausprobiert, zu sehen hier. Und auch die Organisatoren der Tagung haben bereits eine umfangreiche Nachlese veröffentlicht, auf die wir gerne verweisen – zumal Jan die End-Note der Veranstaltung halten durfte. Spannend erschien uns neben der beeindruckenden Referentenliste die Mischung aus Impulsvorträgen – jeweils auf Wissenschafts- und Praxisperspektive – sowie kurzen Vorträgen zu work in progress oder kleineren Projekten. Diese Mixtur hat besonders im Schwerpunkt “Journalismus” sehr gut gegriffen, wobei insbesondere der Vortrag von Harald Baumer, seines Zeichens Leiter des Hauptstadtbüros der Nürnberger Nachrichten, interessante Innenansichten in Social Media-Praktiken von Journalisten lieferte. Er nutze Social Media zur Ideenfindung und “Marktforschung”, Liveberichterstattung, Recherche, Herstellen von Transparenz (Gesten des Zeigens, Dialog, Öffnung), als direkten und schnellen Rückkopplungskanal, als Dokumentation (“öffentliches Notizbuch”), als Markttest für bestimmte Themen/Stories, zur Kundenbindung und als Werbemittel. Für ihn haben Social Media dabei immer einen “human touch”, obwohl er sie als professionelles Arbeitsinstrument betrachtet. Dabei differenziert er die Anwendungen und ihre Funktionen, z.B. bietet sich Twitter zur Live-Berichterstattung an, Facebook aber eher zum Hochladen von Bilderstrecken. Das Ganze wurde von Baumer wohlreflektiert, sehr anschaulich und unterhaltsam präsentiert – ein sehr gelungener Vortrag in einer ganzen Reihe spannender Beiträge.

Apropos: Auf beiden Tagungen wurde uns bewusst wie Wissenschaft & wissenschaftlicher Diskurs heute aussehen kann. In Berlin z.B. war es das minute-taking via QR-Code oder das visual recording der Workshop-Inhalte, die uns – neben der Inneneinrichtung des Hotels – beeindruckt haben. Und natürlich fand auch wieder wissenschaftlicher Diskurs auf der “Meta-Ebene” statt. Nämlich in Form der hashtag-Öffentlichkeit (z.B. http://twitter.com/search?q=comdigmed), bei der die/der RednerIn es nicht nur schaffen muss, das Publikum direkt zu überzeugen – auch in der Twitter-Timeline zeigt sich schnell, ob das Gesagte Zuspruch findet. Besonders eindrückliche Passagen, aber auch kritisches Feedback werden sofort “nach außen” weitergeleitet – wer möchte kann dem Geschehen folgen, wo auch immer er sich gerade befindet. Ein weiteres Beispiel für eine noch recht neue Art der Publikumsinklusion bei einer Tagung ist die kollaborative Protokollführung mit synchroner Chat-Funktion, z.B. über etherpad oder Google Docs, die auch bei der Tagung in Erfurt (http://titanpad.com/ComDigMed11) und in den Workshops in Berlin regen Zuspruch fand. Alles in allem wollen auch wir vermehrt versuchen, digitale Vernetzungsmöglichkeiten zum kollaborativen Arbeiten zu nutzen, beispielsweise erarbeiten Julius und Nele derzeit gemeinsam einen Artikel via Google Docs.

So, das war unsere kleine Rückschau auf das erste Vierteljahr im Projekt. Wir freuen uns über jedwedes Feedback, Anmerkungen und Ideen für unser Projekt. In diesem Sinne: keep on blogging!

[nh]

Dezember 31st, 2011

Frohe Tagungs-Kunde zum Jahresende

In den letzten Arbeitstagen des Jahres sind eine Reihe von erfreulichen Nachrichten eingegangen: Verschiedene Konferenzeinreichnungen von Mitgliedern des Projektteams für 2012 wurden akzeptiert.

  • Für die “General Online Research 2012“, die im März 2012 in Mannheim stattfindet, wurde der Vortrag “Social Media Guidelines in Journalism” von Julius Reimer, Wiebke Loosen und Jan-Hinrik Schmidt akzeptiert.

Social media are increasingly relevant for journalism and strongly affect newsroom workflows and professional routines. One element of these institutional changes are social media guidelines, which advise or even regulate journalists’ social media activities in professional as well as personal contexts. As manifest expressions, they are relevant sources for the study of journalistic self-reflection and self-obligations and shed light on the extension of journalism to new communication spaces and new practices. The paper discusses findings from an on-going explorative content analysis of German, British and US-American social media guidelines issued by different media organisations (broadcasters, print and online newsrooms, and news agencies) (until now: n= 13). Further results will be produced during the next weeks, including a comparison between the German and the Anglo-American guidelines.

The guidelines cover different areas of journalistic activities within social media, discussing opportunities as well as risks. So far, most of them can be regarded as advice rather than as regulations. More than half are for internal use only. While (nearly) all address Twitter, Facebook and weblogs, other networking web sites, wikis, or video platforms are mentioned only in single guidelines. Obviously, regardless of their prominence, some applications are perceived as more relevant for journalistic purposes than others. All of the guidelines analysed offer advice for entering into a dialogue with the audience. Less address readers, viewers or users creating content. Since some guidelines allow journalists to research using a private social media account and others do not, it can be stated that there is no profession-wide standard concerning the difference between professional and personal use, yet. Despite all discrepancies, there is a strong similarity: In all guidelines, special emphasis is put on the relevance and validity of professional journalistic standards and routines within an online driven environment. The study presented here is the first to systematically analyse social media guidelines and to do this from a comparative perspective. By this, it offers further insight into how traditional media organisations manage their extension to the social web.

  • Für die Jahrestagung der DGPuK, die im Mai 2012 in Berlin abgehalten wird,  wurde der Beitrag “Die grenzenlose Redaktion. Verortung sekundärer Leistungsrollen im Journalismus aus systemtheoretischer und Netzwerk-Perspektive” von Julius Reimer akzeptiert. Der Beitrag versteht Rezipienten, die sich an der Erstellung journalistischer Inhalte und anderen redaktionellen Prozessen beteiligen, als sekundäre Leistungsrollenträger. Die Probleme der Übertragung dieses theoretischen Konzepts auf den Journalismus sollen überwunden werden, indem die sekundäre Leistungsrolle als “fließender Übergang” verstanden wird von der “passiven” Publikums- zur primären Leistungsrolle (Journalist). Dieser “Übergang” wird dabei auf zwei Dimensionen vollzogen: zum einen der der vom Rollenträger erbrachten journalistischen Inklusionsleitungen (z. B. Rezeption, Selektion, Darstellung und Ordnung von Themen und Fakten) und zum anderen der der Anzahl, Qualität, Häufigkeit, Dauer und Regelmäßigkeit der Beziehungen und Kontakte des Rollenträgers zu anderen Publikums- oder Leistungsrollenträgern im journalistischen Netzwerk.
  • Ebenfalls für die Jahrestagung der DGPuK im Mai 2012 akzeptiert wurde der Beitrag “Die ‘blauen Seiten’ als Beförderer raum- und identitätsbezogener Demarginalisierung – eine explorative Analyse des Online-Portals GayRomeo” von Nele Heise. Der Vortrag widmet sich einem Forschungsprojekt, das Nele im Rahmen ihres Masterstudiums an der Universität Erfurt durchgeführt hat. Gegenstand der Arbeit war das Online-Portal GayRomeo, eine der weltweit größten Internetseiten für homosexuelle User. Vor dem Hintergrund feministischer Netznutzungs-Theorien wurde dabei herausgearbeitet, inwiefern die Nutzung der Website zu einer potenziellen Demarginalisierung beitragen kann. Der Schwerpunkt des Vortrags soll auf dem Aspekt einer räumlichen Demarginalisierung schwuler Internetuser liegen. Eine Grundannahme diesbezüglich lautet, dass Sex-bezogene Kommunikation im Netz nicht nur von realweltlicher Diskriminierung  entlastet, sondern durch die erweiterte kommunikative Reichweite auch neue Möglichkeiten der sozialen Vernetzung bietet. Große Bedeutung hat dieser Aspekt für Homosexuelle ohne räumliche Anbindung an die schwule Szene, z.B. in ländlichen Gebieten, und zwar v.a. hinsichtlich der Reduzierung sozialer Isolation und des Informationsaustausches. Vor diesem Hintergrund stellte die Studie folgende Forschungsfragen: Was sind die zentralen Nutzungsmotive der GR-User? Unterscheiden sich Nutzer aus ländlichen Gegenden von jenen aus einer Stadt hinsichtlich ihrer Selbstdarstellung? Und: Gibt es Indikatoren für eine Demarginalisierung Homosexueller auf individueller, aber auch gemeinschaftlicher Ebene? Während der erste Teil der Studie auf eine systematische Darstellung des Web-Angebotes zielte, bildete eine standardisierte, komparative Inhaltsanalyse der Profile von Nutzern aus Erfurt und aus ländlichen Regionen Thüringens den zweiten Teil des Projektes. Im Vortrag wird Nele ausgewählte Erkenntnisse aus ihrer Erhebung vorstellen und diese in Bezug zum Tagungsthema “MediaPolis” setzen.
  • Und bei der gemeinsamen Jahrestagung der Fachgruppen computervermittelte Kommunikation und Medienethik im Februar in München wird Nele Heise einen Vortrag zum Thema “Richtigkeit, Wahrheit, Wahrhaftigkeit: Authentizität als kommunikationsethische Voraussetzung onlinebasierter Forschung” halten, der direkt an Erkenntnisse aus ihrer Masterarbeit anschließt. Die Grundprämisse des Vortrags ist, dass Sozialforschung als spezifische Interaktionsform kommunikationsgebunden ist und deshalb als Herstellung kommunikativer Beziehungen gedacht werden muss. Einerseits unterliegen diese Interaktionen bestimmten medialen Bedingungen, insbesondere bei onlinebasiertem Forschen. Andererseits ist v.a. die Interaktion zwischen Forscher und Beforschtem mit bestimmten Rollenerwartungen und normativen Ansprüchen verbunden, die sich u.a. in forschungsethischen Standards niederschlagen. Vor diesem Hintergrund schlägt Nele eine Lesart vor, der zufolge onlinebasierte Forschung als spezifische Form computervermittelter Kommunikation verstanden werden kann, die ebenso wie „gewöhnliches“ Nutzerhandeln an verschiedene technische, aber auch soziale und normative Rahmen (Mediennutzungsregeln, forschungs- und kommunikationsethische Ansprüche) gebunden ist. Spezifisch ist diese Kommunikation insofern, als Interaktionen, die von Sozialforschern im Online-Kontext initiiert werden, nicht nur allgemeinen forschungsethischen/-technischen sowie methodischen Standards folgen müssen (Rolle des Wissenschaftlers), sondern auch den „Spielregeln“ des Netzes bzw. einzelner Anwendungen (Rolle des Nutzers). Damit kann onlinebasierte Forschung nicht nur anhand forschungsethischer Standards, sondern auch entlang genereller kommunikationsethischer Prinzipien der Online-Kommunikation bewertet werden. D. h. aber auch, dass ethische Konflikte in der onlinebasierten Forschung möglicherweise auch auf Brüche bzw. die Missachtung kommunikationsethischer Normen zurückzuführen sind. Im Rahmen des Vortrags werden zwei Konzepte zur Ethik der Online-Kommunikation vorgestellt und auf Praktiken onlinebasierter Forschung und deren ethische Legitimität übertragen. Dafür wird Nele die vorgestellten Prinzipien mittels der Ergebnisse ihrer Masterstudie veranschaulichen, in deren Rahmen sie 17 deutsche Internetforscher mittels leitfadengestützter Interviews zu ethischen Fragen ihrer alltäglichen Forschungspraxis befragt hat. Das Paper erreichte im Review-Verfahren Rang vier aller eingereichten Abstracts.

So, das war es. Wirklich ein schöner Jahresausklang, der uns neugierig auf kommende Taten macht. Wir wünschen allen Blog-Lesern einen guten Rutsch und einen entspannten, erfolgreichen Start im neuen Jahr. Und, wer weiß: vielleicht sieht man sich in Berlin, München oder Mannheim …

[js/jr/nh]